Kickstarter

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Crowdfunding – ein kritischer Rückblick auf drei Jahre Crowdinvestment

Crowdfunding 2014

Crowdfunding Investment 2014

2014 war das Erfolgsjahr des Crowdfundings. Die Statistiken der Crowdfunding Plattformen zeigen einen enormen Anstieg an Fördergeldern und Projekten, aber auch subjektiv konnte ich dies spüren. Auch mein Investment ist nicht unerheblich gestiegen und der Mut mich auch einmal mit größere Summen zu beteiligen.

Die Kehrseite der Medaille wurde aber auch zunehmend deutlich. War Crowdfunding ursprünglich eine Möglichkeit für Kreative an risikofreies Kapital zu gelangen, sprangen zunehmend mehr kommerzielle Organisationen auf den Zug auf, die den Vorteil des billigen Geldes für sich gesehen und so zu Lasten der Kunden das eigene Risiko auf nahezu null gefahren haben. Zwar wurden auf diese Weise viele tolle Goodies produziert, die sonst nie bei der regulären Erzeugung eines Produkts geschaffen wurden, doch andererseits findet hier auch ein massiver Verdrängungswettbewerb statt.

Neu in 2014 ist auch, dass Projekte bei Startnext nun explizit ein Lieferdatum angeben müssen. Bei der nun durchgeführten Betrachtung ist mir nun erst aufgefallen, dass die Projekte aus dem Vorjahr durch die Bank kein Projektendedatum angegeben hatten. Wie unverbindlich allerdings die nun auch Startnext und Kickstarter getätigten Angaben sein würden, hat sich mit den Projekten aus 2014 dann erst recht gezeigt.

An 21 Projekten wollte ich mich 2014 beteiligen, vier davon haben allerdings die Fundingschwelle, also das angesetzte Mindestkapital nicht erreicht und wurden daher nicht mit Geld bedacht. Gescheitert waren ein Kochbuch, ein Computerspiel und der erste Anlauf des Filmprojekts “Die Traumlande” von Huan Vu.

Schwerpunkt meiner Unterstützungen waren in 2014 wieder Rollenspiele. Begonnen hat das Jahr mit der Robert Redshirt RPG Show, einem kleinen und feinen auf dem NIP’AJIN System basierenden Setting. Ziel war hier die Druckkosten für das Spiel zum Gratisrollenspieltag 2014 einzuspielen. Der Autor und Projektinitiator Markus Leupold-Löwenthal hat in seinem Blog das Crowdfunding Projekt aus seiner Sicht noch einmal aufbereitet und gibt dabei einen interessanten Einblick in die andere Seite des Crowdfundings. Das Projekt selber ist dahingehend lobenswert abgelaufen, dass alles frist- und formgerecht abgelaufen ist und die gelieferten Belohnungen selber auch entsprechend waren.

Warum auch immer, hatten es mir dann auch noch ein Satz Würfel angetan. Das spannende an diesem Würfelset war die besondere Auswahl der Polyeder, denn neben den klassisch bekannten platonischen Würfeln, fanden sich in dem Set auch noch 5, 7, 9, 11, 13,… seitige Würfel. Investiert habe ich für diesen bunten Satz etwa 40 € und Ende 2015 dann auch vollständig erhalten. Das Würfelset wurde im Februar 2014 finanziert, sollte planmäßig im Oktober des gleichen Jahres ausgeliefert werden. Durch einen Produktionsfehler hatte sich hier die Auslieferung erheblich, in meinem Fall sogar um über ein Jahr verzögert. Geduld ist eine der Grundfertigkeiten, die ein Crowdfunder mitbringen muss.

Stay Away! ist ein nettes Kartenspiel, bei dem sich während des Spiels die Spieler von ihrer guten Gesinnung unerkannt in eine Böse wandeln. Die Idee hierzu hatte ein italienisches Team, das auch eine gute Crowdfunding Kampagne auf Kickstarter realisiert und eigentlich alles richtig gemacht hatte. Auch hier kam es zu einem Projektverzug, der auch noch dahingehend ärgerlich wurde, dass man an einen deutschen Verlag eine Lizenz abgegeben hatte und dieser Verlag das Spiel in deutscher Sprache auf den Markt geworfen hat, zu einem niedrigeren Preis und – als besondere Krönung – bevor die Backer (Investoren) ihre Fassung des Spiels in Händen halten konnten. Ich konnte also auf der SPIEL 14 mit Tränen in den Augen sehen, was ich erst zahlreiche Wochen später in Händen halten würde.

Cthulhu, Berge des Wahnsinns

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Das im ersten Anlauf gescheiterte Finanzierungsprojekt für die Verfilmung von H.P. Lovecrafts “The Dreamlands” (Traumlande), wurde auf IndieGoGo ein zweites mal gestartet und durch geänderte Rahmenbedingungen dann auch zum Erfolg gebracht. Fertigstellung des Projekts soll in 2017 sein. Regelmäßig versendet das Projekt im Moment Updates an die Finanzierer und auf diversen Veranstaltungen der Filmbranche wird um weitere Fördermittel geworben. Eine erste Belohnung (T-Shirt) habe ich hier auch schon erhalten. Ansonsten ist das Projekt noch in der Realisierungsphase und hoffentlich im Plan…

Den größten Einzelbetrag meiner Crowdfundingaktivitäten wurde dann 2014 in ein Projekt des Pegasus Spieleverlags gesteckt: Die Berge des Wahnsinns. Hierbei handelte es sich um eine Neuauflage der zwischenzeitlich vergriffenen Call of Cthulhu Kampagne. Die eingangs getätigte Kritik hinsichtlich des Crowdfundings durch Firmen hatte mich hier in einen Gewissenskonflikt getrieben. So froh und stolz ich dann letztlich den in Echtleder eingebundenen Folianten in meinen Händen hielt, so enttäuscht war ich dann auch wieder. Ende 2014 wollte Pegasus die Artikel laut Projektplan liefern, doch auch ein gestandener Verlag hatte seine liebe Mühe damit ein Projekt in Zeit abzuliefern – nicht zum letzten mal. Das über Startnext realisierte Crowdfunding Projekt wurde mit über vier Monaten Verspätung abgeschlossen. Der Foliant macht optisch etwas her, ist aber in der Verarbeitung nur als unecht zu bezeichnen. Die Nieten und Lederbänder sind nur aufgeklebt und haben sich bei verschiedenen Empfängern schon abgelöst. Ein Jammer bei dem Preis, der dafür gezahlt wurde.

KROKODILSGEBURTSTAG

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Bei Büchern hatte ich 2014 deutlich mehr Glück. Ob es ein Jugendbuch einer jungen Autorin im Eigenverlagkommerzieller Link,

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oder

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war, alle drei Bücher haben nicht nur die Finanzierung geschafft, sondern auch pünktlich geliefert und einen Platz in den Regalen der Buchläden ergattert. Steckt hier vielleicht auch das Geheimnis des erfolgreichen Crowdfunding Projekts? Engagierte Schaffende, die hinter ihrem geliebten Werk stehen? Nein, bei allen war das Produkt bereits fertig, bevor die Finanzierungsphase gestartet wurde. In dem Moment, als klar war, dass die Finanzierungsschwelle erreicht werden würde, brauchte nur noch der Auftrag an die Druckerei gesandt werden. Es gab keine Probleme mit Übersetzern, Lektoren oder chinesischen Fabrikanten.

2 Gedanken zu “Crowdfunding – ein kritischer Rückblick auf drei Jahre Crowdinvestment”

    • Du meinst das Die Zwerge Projektupdate vom 30.09.2017. Ja, das ist ganz großes Kino und ich bin wirklich froh damals nicht in die Versuchung gekommen zu sein mir die Holzbox zu gönnen. Die Zwerge in Essen im Rahmen der SPIEL ’17 abzuholen, kann ich noch verschmerzen, da ich eh dorthin wollte, aber korrekt – und die Kunden wieder zu besänftigen – ist anders. Ich denke mal, dass dieser Kickstarter für Pegasus sehr lehrreich war.

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