Kickstarter

Bild: © Gil C / Shutterstock.com (modifiziert)

Crowdfunding – ein kritischer Rückblick auf drei Jahre Crowdinvestment

Crowdfunding 2016 – der Ausblick

Crowdfunding Investment 2016 – der Ausblick

Crowdfunding entwickelt sich weiter. Nachdem 2014 und verstärkt 2015 herkömmliche Unternehmen (Verlage im speziellen) diese Form der Umsatzgenerierung für sich entdeckt haben, ziehen viele Verlage nun eigenen Crowdfunding Plattformen auf. Ulisses und Prometheus fallen da als erstes auf und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die anderen Verlage nachziehen, denn mit einer eigenen Plattform sind die branchenüblichen Regelungen einfacher zu umgehen und die Gebühren, die an den Betreiber Startnext oder Kickstarter abzutreten sind, hinfällig. Ob dieser Schuss allerdings nicht nach hinten losgeht, wenn der potenzielle Kundenkreis durch den Wegfall einer globalen, bekannten Plattform entfällt, wird sich noch zeigen. Bestehende Fans eines Spiels, werden auf der Crowdfunding Plattform beim Hersteller fündig werden, Neukunden generiert man so allerdings nicht.

Aus Sicht des Backers oder Investors müssen die Projektinitiatoren noch gewaltig nachlegen. Die Erwartungshaltung ist hoch, vor allem, was die Termintreue betrifft. Verspätungen von 6 Monaten als normal anzusehen, entbehrt jeglichem Verstand von Projektmanagement. Der hierdurch zu erwartende Shitstorm führt nur dazu, dass sich mehr potenzielle Käufer von den Produkten abwenden.

Was mich betrifft, haben Verlage auf Crowdfunding Plattformen nichts verloren. Verlag kommt von Vorlegen, also Geld vorstrecken, damit der arme Autor sein Werk veröffentlichen kann. Dieses risikobehaftete Vorlegen lässt sich ein Verlag (zurecht) fürstlich entlohnen. Aber um die Risikokomponente befreit, muss sich das auch im Preis für den neuen Risikonehmer, nämlich den Investoren, bzw. Backern niederschlagen. Das tut es sich allerdings (Bestes Beispiel ist dafür das The Dwarves/Die Zwerge Projekt von Pegasus) beim besten Willen nicht.

Ich gehe davon aus, dass sich der Markt an dieser Stelle selbst bereinigen wird. Die nun aufkommenden, eigenen Crowdfunding Seiten einzelner Hersteller werden sich vermutlich nur bedingt rechnen. Die Zahl der Backer dort geht zurück, die dadurch freischaltbaren Stretchgoals nimmt ab, bis durch diese sinkende Attraktivität bei enormen Aufwand für den Hersteller (Administration und Betrieb der eigenen Lösung, massiver Marketingaufwand, etc.) in einem Teufelskreis letztlich nur noch das Kernprodukt übrig bleibt. Das Ende der Goldgräberstimmung.

Übrig bleiben die globalen Portale auf denen sich dann wieder diejenigen um das Geld der Investoren buhlen, die es wirklich verdient, respektive nötig haben: Die kleinen Kreativen mit den Ideen, die ihr Projekt mit Herzensblut vorantreiben und nur noch auf den Bestellbutton klicken müssen, wenn die Fundingschwelle überschritten wird.

Meine Thesen und Erfahrungen für potenzielle Investoren:

  • Je größer/professioneller das Unternehmen, das ein Projekt auf einer Crowdfunding Plattform betreibt, desto wahrscheinlicher ein Projektverzug
  • Je größer/professioneller das Unternehmen, das ein Projekt auf einer Crowdfunding Plattform betreibt, desto wahrscheinlicher, dass man hinsichtlich Preis/Leistung über den Tisch gezogen wird
  • Je fertiger das Produkt bei Finanzierungsbeginn, des wahrscheinlicher eine zügige Realisierung
  • Je kürzer der Realisierungszeitraum, desto wahrscheinlicher der Projektverzug
  • Je mehr Stretchgoals angeboten werden, desto mehr Nepp ist dabei
  • Je mehr Stretchgoals freigeschaltet werden, desto größer der Projektverzug
  • Je mehr Geld zusammen kommt, desto wahrscheinlicher ist ein Projektverzug
  • Je intensiver die Updates während der Finanzierungsphase erfolgen, desto rarer werden sie in der Realisierungsphase

2 Gedanken zu “Crowdfunding – ein kritischer Rückblick auf drei Jahre Crowdinvestment”

    • Du meinst das Die Zwerge Projektupdate vom 30.09.2017. Ja, das ist ganz großes Kino und ich bin wirklich froh damals nicht in die Versuchung gekommen zu sein mir die Holzbox zu gönnen. Die Zwerge in Essen im Rahmen der SPIEL ’17 abzuholen, kann ich noch verschmerzen, da ich eh dorthin wollte, aber korrekt – und die Kunden wieder zu besänftigen – ist anders. Ich denke mal, dass dieser Kickstarter für Pegasus sehr lehrreich war.

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