Kickstarter

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Crowdfunding – ein kritischer Rückblick auf drei Jahre Crowdinvestment

Zahle zum Crowdfunding 2014

Eines der wohl letzten aus Rollenspielersicht großen Projekte auf der deutschen Plattform Startnext, war wohl die Finanzierung der deutschsprachigen Fassung von Numenera. Initiiert wurde diese Kampagne von dem Uhrwerk Verlag nahestehenden Orkenspalter TV. Das bekannte Duo Nicolas Mendrek und Mhaire Stritter hatten sich vorgenommen das Erfolgsrollenspiel aus den USA nach Deutschland zu holen. Die Crowdfunding Kampagne schlug durch den Bekanntheitsgrad der beiden TV Aktivisten ein wie eine Bombe und war letztlich mit dem 3,3-fachen überfinanziert. Zum Ende der Finanzierungsphase gab es schlichtweg keine Strechgoals mehr einzubauen und jeder weitere Euro sollte einfach als zusätzliche Bezahlung für die am Projekt beteiligten verwendet werden.

Numenera Grundregelwerk

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Geholfen hat alles nichts, zwar sind die Bücher wohl zwischenzeitlich übersetzt, doch das angekündigte Lieferdatum 30.6.2015 (bis zur 2. Hälfte 2015) konnte auch hier nicht eingehalten werden.

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mit Erscheinungsdatum 1.8.2015, aber noch nicht verfügbar. Die Backer haben auch heute, 8 Monate später nichts in der Hand. Immerhin gibt es monatlich Updates mit Erklärungsversuchen und einem Outing des ausgebrannten Verlagsleiters vom produzierenden Uhrwerk Verlag. Das Bizarre daran ist die Nachricht, die sich zwischen den Zeilen lesen lassen könnte: Andere Projekte sind uns wichtiger, aber danke, dass ihr uns schon mal das Geld gegeben habt… Erstaunlich friedlich verhalten sich aber die 880 Backer, die seit der Finanzierung schon über ein Jahr auf ihr Produkt warten müssen.

Zwei weitere Rollenspielprojekte sind auch Grund für Ärgernis durch schlechte Projektplanung und Kommunikation, sogar so weit, dass in einem Fall bereits juristische Wege eingeschlagen werden.

Das Paranoia Rollenspiel sollte in englischer Sprache neu aufgelegt werden. Der Zieltermin 30.06.2015 ist nun schon mehr als ein halbes Jahr vorbei, geliefert wurde bislang nichts. Ein neuer Projektplan wurde Anfang Februar (2016) vorgestellt, demzufolge im Juli, also 13 Monate nach Zieltermin die Produkte aus der Druckerei kommen und dann voraussichtlich versandt werden. Die Tonlage mit der die Backer im entsprechenden Forum das Projekt kommentieren ist hier schon deutlich angespannt. Den Projektinitiatoren muss man hier immerhin zugute halten, dass sie kontinuierlich Updates versenden, ganz anders als im letzten Projekt, in das ist 2015 Geld gesteckt habe.

Der Amerikaner Ben Patey hatte auch eine tolle Idee. Für eine Call of Cthulhu Kampagne wollte er ein paar originalgetreue Props herstellen. 507 Unterstützer haben ihm dazu rund 74.000 $ (ca. 65.800 €) zukommen lassen. Wenn man den Fotos von Mustern auf der Projektseite glauben darf, war auch hier alles weit fortgeschritten und es fehlte nur noch der Feinschliff und die Massenfertigung. Das Projekt wurde sogar zu einem Kickstarter Staff Pick, also von Kickstarter ausgewählt und besonders hervorgehoben. Am 15.12.2014 war das Projekt dann 14,8-fach überfinanziert. Geliefert werden sollte dann im Januar 2015, ein äußerst optimistischer Zeitplan, der für die Fertigung nicht einmal anderthalb Monate vorsah. Ab Juni 2015 kamen dann tatsächlich die Meldungen, dass die Belohnungen versandt werden, im August desgleichen Jahres stellte der Projektinitiator dann seine Kommunikation (und den Versand von vorbestellten und bezahlten Artikeln) ein. Nun schlagen die geprellten und von Kickstarter im Stich gelassenen Backer den juristischen Weg. Ein Projekt, das wohl das Label Totalausfall verdient.

Bei vielen Rollenspielprojekten ist zu berücksichtigen, dass mit den Geldern auch erst noch die Lizenz für das jeweilige Produkt erworben werden muss. Übersetzung, Lektorat und Layout kann auch erst nach Lizenzerteilung erfolgen, insofern ist man hier mit einer besonderen Situation konfrontiert, bei der es nur mit entsprechendem Risiko möglich ist vor der Crowdfunding Kampagne bereits ein fertiges Produkt zur Hand zu haben. Doch auch dies ist kein Grund für die desaströse Terminplanung, die bei den Projekten an den Tag gelegt wird. Ich frage mich ernsthaft, wie so manch ein Verlag im normalen Tagesgeschäft agiert, bei denen die Kunden keinen Veröffentlichungstermin genannt bekommen, dafür der Verlag aber auch seinem Namen gerecht wird und das Geld für das Produkt erst einmal selber vorlegt.

Die Ergebnisse von 2014 im Überblick

  • Finanzierte Projekte: 17 (100%)
    • davon via Startnext: 7
    • Kickstarter: 8
    • IndieGoGo: 2
  • gelieferte Belohnungen (Stand 15.02.2016): 10 (59%)
    • davon fristgerecht: 7 (41%)
  • noch im Projektstatus: 1 (6%)
    • davon bereits verspätet: 0 (0%)
  • Zufriedenheit mit den gelieferten Produkten (Schulnote): 2,6
  • Eingesetztes Kapital: 1.072,60 €
    • davon bislang verlorenes Kapital (nicht gelieferte Leistungen): 309,83 € (28,9%)
      • vermuteter Totalausfall: 128,91 € (12,0%)

2 Gedanken zu “Crowdfunding – ein kritischer Rückblick auf drei Jahre Crowdinvestment”

    • Du meinst das Die Zwerge Projektupdate vom 30.09.2017. Ja, das ist ganz großes Kino und ich bin wirklich froh damals nicht in die Versuchung gekommen zu sein mir die Holzbox zu gönnen. Die Zwerge in Essen im Rahmen der SPIEL ’17 abzuholen, kann ich noch verschmerzen, da ich eh dorthin wollte, aber korrekt – und die Kunden wieder zu besänftigen – ist anders. Ich denke mal, dass dieser Kickstarter für Pegasus sehr lehrreich war.

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