Kickstarter

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Crowdfunding – ein kritischer Rückblick auf drei Jahre Crowdinvestment

Lesezeit etwa 22 Minuten

Vor ziemlich genau drei Jahren habe ich mein erstes Investment auf einer Crowdfunding Plattform getätigt. Heute, 45 Projekte und eine erschreckend hohe Summe später mag ich einmal einen Rückblick wagen und eine persönliche Bilanz ziehen.

Was ist Crowdfunding?

Ein kreativer Kopf hat eine Idee. Er oder sie möchte ein Buch publizieren, einen Film drehen, ein Spiel veröffentlichen, ein tolles Gadget produzieren oder auch einfach ein eigenes Label Gründen, eine soziale Stiftung realisieren und vieles mehr. Das Unterfangen ist gewagt, aber von der Idee selber überzeugt und keine konventionellen Investoren in der Hinterhand fragt man einfach über das Internet potenziell Gleichgesinnte oder am Produkt interessierte Menschen und bittet um einen finanziellen Vorschuss.

Hierzu muss das Projekt natürlich vorgestellt werden, üblicherweise mit einem Video, zahlreichen Bildern und natürlich auch viel Text. Es ist also eine ganze Menge an Marketing vorab erforderlich, aber ist diese Hürde einmal genommen und hat man genügend Freunde um sich geschart, die das Unterfangen mindestens mental unterstützen, geht es auf einer der bekannten Crowdfunding Plattformen los.

Etabliert haben sich im internationalen Sektor Kickstarter und IndieGogo. Für den deutschsprachigen Sektor war lange Zeit nur Startnext die erste Anlaufstelle, doch seitdem der Platzhirsch Kickstarter seine Tore auch für Projekte aus Deutschland eröffnet hat, droht Startnext vermutlich das Abrutschen in das Schattendasein.

Technisch sind die Plattformen ähnlich aufgebaut. Auf einer Projektseite stellt der Initiator seine Idee möglichst umfangreich vor und präsentiert einen überschaubaren Businessplan. Eine anvisierte Mindestsumme, die für die Realisierung des Projekts benötigt wird und – für die Investoren das wichtigste Element – die Belohnungen. Ursprünglich war der Gedanke wirklich nur einer kleinen Belohnung für die Unterstützung eines StartUps. Es fließen keine Zinsen für das gezahlte Geld, sondern Postkarten, Fan-T-Shirts und Poster sowie Namensnennungen auf Dankesseiten. Schnell hat sich dieses jedoch gewandelt und die Plattformen sind viel mehr zu Vorbestellungsshops geworden, denn die klassische Belohnung ist nur noch für Kleinstunterstützer vorhanden. Alle anderen erwerben in der Regel mit ihrem Kapital das vorgestellte Endprodukt aus dem Projekt.

Für den Projektbetreiber also eine äußerst interessante Sache, denn bevor er die Druckerpresse anschmeißt oder das Werk in China mit der Produktion beauftragt, hat er bereits eine nicht unerhebliche Zahl an bezahlten Vorbestellungen vorliegen und damit bei zuvor ordentlich getätigten Berechnungen nahezu kein eigenes Risiko. Da der Initiator nicht einmal ein klassisches Darlehen aufnehmen muss, fallen für ihn auch keine Zinsen an, eher im Gegenteil: Die Investoren zahlen ihm Zinsen.

Und das Projektrisiko liegt auch bei den Investoren. Funktioniert das Projekt nicht oder ist am Ende des Budgets noch nichts realisiert, verblassen die Investitionen wie Träume nach dem Aufwachen.

Die ersten Projekte

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Meine ersten Investments waren zaghaft und überschaubar: Ein Quartettspiel, ein Film und ein soziales Projekt haben über StartNext von mir vor drei Jahren in Summe knapp 80 € erhalten. Das Quartettspiel (damaliges Investment ca. 10 €) ist dabei nach all der Zeit das einzige Produkt, dass von den drei Projekten dann auch seinen Weg zu mir gefunden hat. Sogar noch mehr, denn das Code Quartett von Johann Weiher hat es nun in einer Version 2.0 sogar in den regulären Handelkommerzieller Link geschafft.

Die Macherinnen des Films “Wald der Worte”, das ich zeitgleich mit rund 21 € ebenfalls mitfinanziert habe, haben ihren Film wohl zwischenzeitlich auch realisiert und bereits einige Preise dafür erhalten, wenn man ihren raren Mitteilungen glauben schenken darf. 30.000 € sollten seinerzeit über das Crowdfunding Projekt zustande kommen, tatsächlich waren es am Ende mit knapp über 33.000 € nahezu eine Punktlandung. Auf die Belohnungen, in meinem Fall also die DVD mit dem Film, warten die Investoren bis heute. Da ist es kein Trost, dass die einigen wenigen Vorführungen des Films im süddeutschen Raum ein toller Erfolg gewesen sein sollen. Ein Desaster ist bei diesem Projekt dann auch die Kommunikation an die Investoren, denn abgesehen von quartalsweisen Erfolgsberichten wird auf Nachfragen der Sponsoren penetrant nicht reagiert. Aus meiner Sicht muss das Investment also als Totalverlust eingebucht werden.

Das dritte Projekt war eine Förderung einer gänzlich anderen Art. Die Projektinitiatoren suchten Startkapital um einen Online Marktplatz aufzubauen, der eine soziale Komponente beinhaltete. Mit dem Verkauf regulärer Artikel wollte man versuchen auch Kapital für soziale Projekte einzusammeln. Verkäufer sollten dazu einen Teil des Verkaufserlöses an gemeinnützige Projekte abtreten. Die Investoren traten dabei in eine Genossenschaft ein und anstelle von materiellen Belohnungen sollte dann auf die Einlagen eine monetäre Ausschüttung erfolgen.

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Schon schnell war die Genossenschaft am Ende ihres Kapitals angelangt. Weitere Crowdfunding Maßnahmen wurden gestartet um an frisches Geld zu gelangen. Bezahlte Mitarbeiter wurden wieder freigestellt und lange Zeit ehrenamtlich agierende Teammitglieder mussten am Ende ihrer Kräfte und finanziellen Möglichkeiten das Handtuch werfen. Ein Namensstreit mit einem großen Brettspielehersteller war mit dem Projektnamen Fairnopoly vorprogrammiert, wodurch das Projekt  letztlich kostspielig einen neuen Namen einführen musste. Die Plattform existiert noch und wird nach eigenen Angaben von über 2.000 Genossenschaftlern getragen. Bis sie allerdings ansatzweise in die Region kommt, dass sie an die Anteilsinhaber Ausschüttungen tätigen kann, werde ich allerdings wohl kaum noch miterleben. Auch dieses Projekt verbuche ich also unter Totalverlust, mindestens allerdings für einen heißen Kandidaten für eine Bad Bank.

2 Gedanken zu “Crowdfunding – ein kritischer Rückblick auf drei Jahre Crowdinvestment”

    • Du meinst das Die Zwerge Projektupdate vom 30.09.2017. Ja, das ist ganz großes Kino und ich bin wirklich froh damals nicht in die Versuchung gekommen zu sein mir die Holzbox zu gönnen. Die Zwerge in Essen im Rahmen der SPIEL ’17 abzuholen, kann ich noch verschmerzen, da ich eh dorthin wollte, aber korrekt – und die Kunden wieder zu besänftigen – ist anders. Ich denke mal, dass dieser Kickstarter für Pegasus sehr lehrreich war.

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