Undo – Macht es ungeschehen

Von der diesjährigen SPIEL hatte ich mir das Spiel Undo – Macht es ungeschehen mitgebracht. Eigentlich waren es sogar zwei Ausgaben, wenn man das Promo Pack mitzählt, das einen guten Einblick in den Spielmechanismus erlaubt. Nun ist das Rätsel in der – natürlich – Lovecraft’schen Variante auf den Tisch gekommen.

Undo ist von Michael Palm und Lukas Zach, keine unbekannten in der Spieleszene und erscheint bei Pegasus Spiele. Es wird klassifiziert als Familienspiel für 2 bis 6 Spieler ab 10 Jahren, doch – wie ich mit der Promo Version bereits getestet hatte – lässt es sich auch gut alleine spielen, wenngleich dann das Element des “Diskutierens” etwas einseitig ausfällt.

Doch, schauen wir uns das Spiel einmal genauer an.

Undo

Pegasus Spiele 18175G - UNDO - Verbotenes Wissen

Bild via Amazonkommerzieller Link (Link zum Angebot)

Wie der Name bereits andeutet, sollen die Spieler bei Undo etwas ungeschehen machen (undo, englisch für etwas rückgängig machen), und zwar einen Todesfall. Der Protagonist der Geschichte kommt ums Leben, warum genau, ist nicht ganz klar. Es kann ein Selbstmord sein, oder – wie im Falle von “Verbotenes Wissen” eine schreckliche Erfahrung.

Vor den Spielern liegen nun dreizehn Karten, die alle unterschiedliche Zeitpunkte vor oder nach dem Ereignis darstellen. Dabei kann es sich um Sekunden, Monate und Jahre vor dem Tod des Protagonisten handeln. Gemeinsam einigt man sich nun auf einen Zeitpunkt, also eine Karte, die man sich näher anschauen möchte. Auf der Rückseite der Karte ist nun textuell ein Ereignis aus dem Leben des Protagonisten geschildert, wobei oftmals nicht genau zu erkennen ist, aus welcher Perspektive die Erzählung dargestellt wird. Absichtlich sind einige Aspekte vage gehalten um die Spieler nun dazu zu animieren, über das Ereignis und seine Konsequenzen zu spekulieren.

Drei Einflussmöglichkeiten werden am Ende der Karte angeboten, über die die Spieler nun abstimmen oder befinden sollten. Wie wollen sie als Zeitreisende und Schicksalsweber dieses Ereignis manipulieren, sodass in der Zukunft der Protagonist überlebt.

Auf jeder Karte ist zudem ein Begriff fett hervorgehoben, zu dem – so die Spieler dies wollen und einen Hinweismarker dafür opfern möchten – nähere Informationen (wie eine detailliertere Beschreibung) eingesehen werden können.

Liegt anschließend die Entscheidung fest, kommt es zu einer Bewertung dieser. Hierzu wird die zugehörige Antwortkarte umgedreht und offenbart, wieviele Punkte die gewählte Option einbringt. In der Regel sind dies -1, 0 oder +1 Punkte, wobei diese Verteilung nicht bei jedem Ereignis fest ist. Negative Punkte deuten darauf hin, dass die Situation des Protagonisten in der Zukunft eher verschlechtert wurde. Nur ein deutlich positives Punktergebnis am Spielende lässt den Tod verhindern.

Verbotenes Wissen

Als mit dem amerikanischen Autor H. P. Lovecraft durchaus nicht unerfahrenen Spieler, kam mir die Geschichte hinter “Verbotenes Wissen” bekannt vor. Gleich die Startkarte offenbart den Bezug zu einer von Lovecrafts Kurzgeschichten um Randolph Carter, der am einen Ende eines Telefons auf einem Friedhof steht und mit seinem Freund Harley am anderen Ende, tief unten in einer Gruft spricht, bzw. dessen letzte Warnungen vernimmt. (Vgl. Die Aussage des Randolph Carterkommerzieller Link)

Eine der ersten Entscheidungen, die wir zu treffen hatten, war, ob Randolph den Warnungen seines Freundes folgt und die Beine in die Hand nimmt, das Grab verschließt, oder gar den Warnungen trotzt und heldenhaft in die Tiefe steigt, um seinen Freund zu retten.

Vielleicht waren meine Vorkenntnisse um das Werk von Lovecraft etwas ungünstig, denn sie erleichterten zahlreiche Schlussfolgerungen im Verlaufe des Spiels. Allerdings waren auch einige gänzlich falsche Entscheidungen dabei, deren Auswirkungen fatal waren. Insgesamt hat mir das Spiel also dennoch Freude bereitet, wozu auch das stimmige Design der Karten und die gelungenen Texte beigetragen haben.

Ähnlich zu den Escape Room Spielen, lässt sich Undo – wenn man die Lösung einmal gefunden hat – nicht noch einmal spielen. Allerdings kommen hier keine destruktiven Mechanismen zum Tragen, sodass das Spiel durchaus auch anderen noch einmal eine Freude bereiten kann.

Fazit

Undo ist eine schnelle, preisgünstige und weniger komplexe Variante zu Rätselspielen wie beispielsweise auch T.I.M.E. Stories. Die 45 bis 90 Minuten Spielzeit sind durchaus realistisch, wenngleich spekulationsfreudige Spieler diese Zeitspanne durchaus sprengen können. Stress entsteht bei dem Spiel nicht, wenn gleich man doch mitfiebert, wenn die Antwortkarten negative Punktzahlen verheißen und das Gesamtergebnis zu kippen droht.

Hat Undo die Chance, den Escape Room/Exit Spielen den Rang abzulaufen? Das denke ich allerdings nicht. Dafür fehlt etwas. Doch wer sich mit den Knobelspielen schwer getan hat, könnte hier eher Gefallen finden.

Insgesamt von mir jedoch eine Empfehlung für kurze Knobelrunden zwischendurch und in diesem speziellen Fall wurde Lovecrafts Werk – was selten genug geschieht – sehr schön integriert. Undo – Verbotenes Wissenkommerzieller Link

Derzeit sind vier Ausgaben von Undo für je unter 10 € erhältlich, die alle nach dem gleichen Spielprinzip funktionieren und jeweils unabhängig voneinander sind:

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