Krieg der Welten

Bild: © Hauke Kock / Mantikore Verlag (modifiziert)

H. G. Wells: Der Krieg der Welten

Kenne ich, habe ich im Kino oder wahlweise im Fernsehen gesehen, wird vermutlich die erste Reaktion sein, an die der ein oder andere beim Lesen der Überschrift denkt. Es gehört zu den Werken, die mehr als hundert Jahre alt sind, aber bis in die heutige Zeit immer wieder gerne hervorgezogen werden, wenn einem Regisseur in Hollywood nichts Besseres zur Verfilmung einfällt. H. G. Wells “Der Krieg der Welten” wurde tatsächlich bereits 1898 veröffentlicht, also in einer Zeit in der das Automobil noch in den Kinderschuhen steckte und die großen Monarchien noch am Gipfel ihrer Macht standen.

Nun hat der Mantikore Verlag sich dieses Buchs aus der viktorianischen Zeit angenommen und eine mehr als würdige Neuausgabe veröffentlicht, was mich sträflich daran erinnern ließ, dass ich ausgerechnet dieses Werk Wells tatsächlich noch nicht gelesen hatte.

Krieg der Welten: Der Science Fiction Klassiker von H.G. Wells als illustrierte Sammlerausgabe in neuer Übersetzung

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Ich fühlte mich beim Lesen des Werks in meine Jugend zurückversetzt, in der ich zahlreiche Werke des vorletzten Jahrhunderts verschlungen hatte. Bücher mit einem besonderen Schreibstil, der sich so deutlich von dem heutigen unterscheidet. Bei der Neuausgabe hat Übersetzer Jan Enseling ganze Arbeit geleistet und einen gelungene Übersetzung unter Beibehaltung des alten Sprachstils zu erstellen.

Vorbelastet durch diverse Verfilmungen des Werks rätselte ich eine geraume Weile, bis mir bewusst wurde, in welchem Zeitalter die Handlung spielt. Vor dem Hintergrund des ausgehenden 19. Jahrhunderts tritt die Überlegenheit der Marsianer mit ihren Hitzestrahlen deutlich zutage, wenn die irdischen Bewohner mit Pferdefuhrwerken verschreckt das Weite suchen.

Astronomen hatten vor einigen Tagen merkwürdige Explosionen auf der Oberfläche des Mars beobachten können. Nun schlagen im ländlichen England einige Kometen ein, die sich bei näherer Betrachtung als metallische Zylinder herausstellen. Nicht erst als der erste Marsianer aus einer dieser Kapseln heraussteigt, wird den Menschen klar, dass sie es hier mit Besuchern eines anderen Planeten zu tun haben. Wesen, die eine Technologie beherrschen, die der der Menschen deutlich überlegen ist.

Titel Krieg der Welten
Autor Herbert George Wells
OriginaltitelThe War of the Worlds
Verlag Mantikore Verlag
Seiten 320
ISBN-10
ISBN-13
3945493862
9783945493861
Bestellen bei Amazonkommerzieller Link
Preis 14,95 €
Die Besucher allerdings verhalten sich alles andere als freundlich und eröffnen sogleich das Feuer auf eine Abordnung der Menschen, die sie lediglich Willkommen heißen wollen.

Auch die Waffentechnologie der Außerirdischen übersteigt alles, was die Menschen im England des 19. Jahrhunderts bis dahin gesehen haben und eine flugs entsandte Brigade Soldaten wird von den Invasoren bereits in kürzester Zeit aufgerieben. Mit den dreibeinigen Kampfmaschinen, die über die Häuser hinaus ragen, machen diese sich dann auf den Weg weitere Landstriche zu erobern und dringen bis nach London vor.

Erzählt werden die Ereignisse aus der Ich-Perspektive eines Philospohen. Er wohnt unweit der Landezone der ersten Kapsel und erlebt den Ausstieg und Angriff der Marsianer aus nächster Nähe, bevor auch er das Weite sucht und sich durch das Land schlägt.

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Bild: © Hauke Kock / Mantikore Verlag (modifiziert)

Eine weitere Erinnerung, die mir beim Lesen des Werks sogleich durch den Kopf ging, war das Buch Von der Erde zum Mondkommerzieller Link des Autors Jules Verne. Der rund 40 Jahre jüngere Wells kannte diesen Roman und während Verne Menschen in einem großen Projektil mit einer Riesenkanone auf die Reise zum Mond befördert, kehrt Wells die Technologie um und lässt die Marsmenschen auf diese Weise zur Erde reisen. Tatsächlich haben beide Autoren voneinander Notiz genommen, wenngleich Verne, wie dem Begleittext von Joachim Körber zu entnehmen ist, nicht besonders viel von Wells Romanen hielt, waren sie ihm zu wenig wissenschaftlich fundiert.

Erstaunlich für mich ist immer wieder, wie fortschrittlich so manch eine technische Erkenntnis und wissenschaftliches Wissen der Menschen vor über 100 Jahren bereits war. Über Wells persönliche Einstellung kann man mindestens so geteilter Meinung sein wie bei der Lovecrafts, doch der Aspekt, warum die Marsianer letzlich unterliegen und das Einschleppen fremd(artig)er Pflanzen (Neobiota) sind heute größere Themen, als dies vermutlich seinerzeit war.

Die Ausgabe des Mantikore Verlags kommt illustriert daher. Insgesamt 9 schwarz-weiß Zeichnungen zeigen Szenen aus der Handlung sowie ein Portrait des Autors Herbert George Wells. Als besonderes Gimmick und damit auch eine kleine Entschädigung für den höheren Preis, sind dem Buch auch noch einige Postkarten mit alternativen Covermotiven beigefügt. Das Cover, dass das Buch nun trägt, weicht vom üblichen Stil des Mantikore Verlags ab und ist dem Werk entsprechend etwas klassischer gehalten.

Fazit

Für mich war die Lektüre eine große Freude. Eine Reise zurück in meine Jugendzeit mit vielen Erinnerungen an Bücher und Geschichten, die ich geliebt habe. Das Setting ist großartig und passend. Der gesellschaftskritische Hintergrund ist, wenn man darauf wert legt, ersichtlich, aber nicht im geringsten aufdringlich. Dort wo der Soldat seine Perspektive der Zukunft darlegt, kann man aus heutiger Sicht nur Schmunzeln und bestätigend erkennen, dass es bei vielen “Revolutionen” genau so verläuft.

Daumenwertung 4 von 4
4 von 4
Hitzestrahlen

Ein großartiges Lesevergnügen, wenn man sich auf einen klassischen Text in einer aktuellen Übersetzung einlässt. Nicht eine Sekunde bereut und daher von meiner Seite aus eine absolute Leseempfehlung: H.G. Wells - Krieg der Weltenkommerzieller Link in der Fassung des Mantikore Verlags.


Transparenzhinweis: Das Buch wurde mir im Rahmen des Korrektorats durch den Mantikore Verlag zur Verfügung gestellt.

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