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Bild: © Michael L. Jaegers / Jaegers.Net (modifiziert)

Michael Robotham: Der Insider – Weltklasse?

Lesezeit etwa 3 Minuten

Wer meine Beiträge ein wenig verfolgt hat, wird bemerken, dass meine letzte Buchempfehlung schon eine sehr geraume Zeit her ist. Üblicherweise ist dies ein Indiz dafür, dass ich mich durch ein zähes Werk quäle. So leider auch in diesem Fall und dabei hatte alles so vielversprechend angefangen…

Der Insider: Thriller (Joe O'Loughlin und Vincent Ruiz 6)

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Der frisch ausgelesene Thriller stammt von einem meiner bevorzugten Autoren: Michael Robotham. Mit “Der Insider” hat er das in der Joe O'Loughlin Reihe bislang wohl seitenmäßig und inhaltlich umfangreichste Buch veröffentlicht. In den vorangegangenen fünf Bänden begleitet der Leser einen von der Parkinson Krankheit befallenen Psychologen und einen zwischenzeitlich im Ruhestand befindlichen Detective in Großbritannien. Die beiden freunden sich nach einer Mordermittlung gegen O'Loughlin an und sind von ihren Voraussetzungen her eher als Antihelden konzipert. Mit seiner Krankheit ist der Psychologieprofessor körperlich stark eingeschränkt und auch Vincent Ruiz, der Ex-Detective, ist aufgrund verschiedenster Verletzungen (ihm fehlen zwischenzeitlich ein paar Finger) und des Alters nicht die Idealbesetzung um sich mit Schwerkriminellen anzulegen. Doch mit dem Herzen am rechten Fleck bilden die beiden familiär gescheiterten ein starkes Team und scheinen aus der Tatsache, dass sie eigentlich nichts zu verlieren haben, eine enorme Kraft zu ziehen.

In “Der Insider” verlässt Robotham gedanklich ein zweites mal die Insel und greift erstmalig globale Themen wie die Nachwehen des Irak Krieges und die Bankenkrise auf. Der Journalist Terracini spürt in Bagdad mehreren großangelegten und mit großer Gewalt ausgeübten Banküberfällen nach. Milliardenbeträge sind dabei in der kriegszerstörten Stadt in den vergangenen Monaten erbeutet worden und ohne Aufklärung durch die korrupten Behörden außer Landes geschafft worden. Er gewinnt eine Buchprüferin der UNO auf seine Seite und zusammen folgen sie dem gefährlichen Weg des gestohlenen Geldes bis nach London.

Zeitgleich wird in London der Bankmitarbeiter North von seiner hochschwangeren Frau vermisst.  Zufälligerweise wird Vincent Ruiz Opfer der hübschen Trickdiebin Holly Knight, die, wie sich bald herausstellt, auch North bestohlen hat und damit die Verkettungen, die dessen Verschwinden zur Folge hatten, ausgelöst hat. Unter den vermeintlich gestohlenen Objekten waren geheime Dokumente, die die Bank mit Geheimkonten und Geldwäsche in Verbindung bringen könnten, die ihren Ursprung unter anderem in den Banküberfällen im Irak finden. In dieses verworrene Konstrukt finden sich dann amerikanische Geheimdienste, ein als “Kurier” bezeichneter islamistischer Terrorist und ehemaliger Berater von Saddam Hussein, verschiedene Topmanager der Bank und natürlich Vincent Ruiz und am Rande Joe O'Loughlin wieder.

Das Thema ist recht komplex und hat eher den Charme eines langatmigen Politthrillers als spannenden Thriller, wie ich ihn sonst von Michael Robotham gewohnt bin. Tempo kommt gefühlt erst auf den letzen dreißig Seiten auf. Die anderen 500 Seiten ziehen sich wie Kaugummi. Die drei parallel aufgebauten Handlungsstränge fügen sich erst reichlich spät zusammen. Viel zu spät aus meiner Sicht, denn die Zusammenhänge werden dem Leser schon deutlich früher klar.

Die üblichen Aufkleber und Werbezitate auf dem Buchcover sprechen von “Weltklasse” (Die Zeit) und “Meisterleistung” (Stern) und übertreiben in ihrer Einschätzung leider maßlos. Vor allem Aussagen wie “ist das bisher beste Buch von Michael Robotham” lassen in mir die Frage aufkommen, ob der Rezensent die anderen Bücher überhaupt gelesen hat und ob der Verlag da nicht ein wenig zu sehr nachgeholfen hat. Gewiß, es ist kein schlechtes Buch und wer an groß angelegten Komplotten und Polit- oder Wirtschaftsthrillern interessiert ist, der wird möglicherweise hier seinen Gefallen finden. Ein klassischer O'Loughlin/Ruiz Thriller ist er aber leider nicht.

Der Fünf-Minuten-Killer: Thriller

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Ich für meinen Teil habe es hinter mich gebracht, der SUB (Stapel ungelesener Bücher) ist in der Zeit deutlich angewachsen, doch dafür habe ich nun die Neuerscheinung von Paul Cleave “Der 5-Minuten Killer” auf meinem Tisch liegen, der der ganzen SUB überspringt und mich hoffentlich wieder etwas milder stimmen und mit auf die gedankliche Reise nach Christchurch in Neuseeland mitnehmen wird. Und, dabei hoffe ich, dass es sich nicht um ein Omen handelt, das empfehlende Zitat auf der Rückseite des Buches ist von Michael Robotham…

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