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Bild: © Michael L. Jaegers / Jaegers.Net (modifiziert)

Ildefonso Falcones: Die Pfeiler des Glaubens

Lesezeit etwa 3 Minuten

Bei Ildefonso Falcones “Die Pfeiler des Glaubens” handelt es sich um den zweiten historischen Roman des Autors, der den Weg in meine Ohren und in meinen Bücherschrank gefunden hat. Über sein erstes Werk, die Kathedrale des Meeres, hatte ich bereits berichtet und auch dieser Roman hat mich keineswegs enttäuscht.

Falcones geht für die Pfeiler des Glaubens noch weiter zurück in die Vergangenheit und beschreibt die Vorgänge in Andalusien (Spanien) im 16. Jahrhundert. Die Vorherrschaft der Mauren auf der iberischen Halbinsel ist längst vorüber und die Christen haben das Sagen. Die Anhänger des muslimischen Glaubens wurden zwangsweise getauft und fristen ein Dasein als Sklaven oder einfache Landarbeiter, die durch zahlreiche Sondersteuern ausgebeutet und unterdrückt werden. Hernando Ruiz ist ein Junge mit auffallend blauen Augen, die er einem Geistlichen verdankt, der seine seine junge maurische Mutter auf dem Feld vergewaltigt hat. Bei seinen Glaubensbrüdern, den Mauren, ist Hernando kaum gelitten. Von den Muslimen als “Nazarener” und von den Christen als Moriske betitelt, lebt er ein Leben zwischen zwei Religionen.

Die Pfeiler des Glaubens: Roman

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Als es dann 1568 zum Aufstand der Mauren gegen die Christen kommt, ist Hernando, der sich nun Ibn Hammid nennt, mit dabei und kann sich für seinen wahren Glauben, dem Islam, einsetzen und verdient machen. Doch der Aufstand ist zum Scheitern verurteilt und die Mauren erleben eine stärkere Welle der Unterdrückung durch Deportation, Versklavung und Willkür durch die Obrigkeit. In diesen Wirren gelingt es Hernando, bzw. Ibn Hammid immer wieder Fuß zu fassen und strebt nach einer Vereinigung der beiden Religionen, denn in ihren Wurzeln sind sie sich deutlich ähnlicher, als die Menschen immer wieder annehmen.

Ildefonso Falcones hat ein gewaltiges Werk geschaffen, dass das Leben des Mauren Hernando Ruiz begleitet durch die Trubel des 16. Jahrhunderts in Andalusien. Perfekt in die Geschichte des Landes eingebettet erfährt der Leser einen geschichtlichen Teil Europas, der zugegebenermaßen kaum so bekannt ist und auch heute noch Auswirkungen hat. Der Leser wird an das Buch gefesselt und fiebert mit dem jungen Mauren mit, der trotz widriger Umstände nicht zweifelt und für die gute Sache zu kämpfen bereit ist. Gewiss, hinsichtlich der Ausarbeitung des Protagonisten sind gewisse Parallelen zur Kathedrale des Meeres zu sehen, doch handelt es sich hier um eine gänzlich andere Geschichte, die zu lesen wert ist.

Im direkten Vergleich zu den historischen Romanen von Ken Follett schneidet Ildefonso Falcones mit seinen Werken in meinen Augen deutlich besser ab. Die Handlungen sind besser in wahre historische Gegebenheiten eingebettet und folgen nicht dem pendelartigen hin- und her zwischen Gut und Böse. Sogar bei den sparsam und wohlplatzierten erotischen Szenen vermag Ildefonso Falcones zu punkten und eine Stimmung zu verbreiten bei der man nicht lieber die folgenden Absätze einfach überspringen möchte.

Angenehm ist auch der im Buch enthaltene Glossar. Für mich, der mit dem Hörbuch zu Die Pfeiler des Glaubens eingestiegen ist, waren die zahlreichen Begrifflichkeiten wie Alfaqui, Morisken, Mirhab die wie selbstverständlich eingesetzt wurden, zunächst sehr verwirrend. Im Buch lassen sich diese einfach kurz nachschlagen. Das Hörbuch ist von Wolfgang Müller äußerst gut vorgelesen und mit 26 Audio-CD's als ungekürzte Fassung verfügbar.

Aus meiner Sicht also eine absolute Leseempfehlung für Freunde historischer Romane: Ildefonso Falcones “Die Pfeiler des Glaubens”

Ich persönlich freue mich dann nun auch auf das dritte Werk von Ildefonso Falcones: Das Lied der Freiheit.

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