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Ritter Bogo RPG Abenteuer: Die entführte Bauerstochter

Spielbericht

Spielbericht

Gespielt wurde das Abenteuer mit einer Gruppe bestehend aus vier Kindern (Mädchen, 3 Jahre, Mädchen und Junge jeweils 4 Jahre und Mädchen, 5 Jahre). Alle Kinder konnten einigermaßen sicher bis 10, teilweise auch schon bis 20 zählen.

Aus der Auswahl der vorgefertigten Charakterbögen fanden sich schnell die präferierten Helden (eine Fee, ein Ritter und zwei Prinzessinnen), auch mit der Namensvergabe für die Helden taten sich die Kinder nicht schwer. Nach der Vorstellung der Attribute (die Symbolbilder wurden alle korrekt erkannt und zugeordnet) stellte ich die Frage, was denn der jeweilige Held am besten (1 Punkt) und am schlechtesten (6 Punkte) kann. Die Zuordnung der Werte dazwischen gestaltete sich etwas zäh, sodass ich bei zukünftigen Runden die Frage gleich nach den zwei oder drei besten, bzw. schlechtesten Fähigkeiten/Attribute stellen würde und diese dann “zufällig” mit den passenden Punkten versehen werde. Dies spart entscheidende Zeit und bringt die Kinder schneller ins Spiel. Von Bögen mit vorgegebenen Werten halte ich in dem Zusammenhang weiterhin nichts.

Die Poolwerte kamen nicht zum Einsatz, da schnell klar wurde, dass die Kinder damit überfordert wären, bzw. das “Vorgeplänkel” rund um den Charakterbogen schon genug Zeit in Anspruch genommen hatte. Dies ist also definitiv eine Option für Fortgeschrittene. Idealerweise tauchen die Poolwerte (und Bilder) dann allerdings auf den Charakterbögen auch nicht auf, da sie nur ablenken.

Alle Kinder haben ihre Charakterbilder erwartungsgemäß sofort entsprechend ihrer Fähigkeiten an- und ausgemalt.

Die Dreijährige war nicht lange bei der Sache und schnell vom Spieltisch verschwunden. Der eigene Sohn kränkelte leider und hat sich lieber unter eine wärmende Decke verkrochen. Mit der Fünfjährigen konnte das Spiel jedoch sehr gut durchgeführt werden, die dann von sich aus zusätzlich, nach dem krankheitsbedingten Ausstieg des Spielers, auch noch die Rolle des Ritters übernahm,

Die geplante Handlung konnte grob eingehalten werden, wenngleich die Kinder mit interessanten Optionen daher kamen, die besonders die Frage der kampfbasierten Konfliktlösungen gar nicht erst aufkommen ließen. Der Räuber wurde durch einen Witz abgelenkt, sodass der Ritter sich anschleichen konnte und ihm die Gans aus dem Rucksack stahl.

Der kleine Dungeon wurde aus Zeitgründen nicht gespielt, dafür kamen die Kinder selber mit der Idee, dass man mit einem im Wald erlegten Wildschwein den Drachen aus seiner Höhle locken könnte um anschließend in diese zu schleichen und das Mädchen zu befreien. Natürlich stand ihnen der Drache auf dem Rückweg dann doch in der Höhle gegenüber und da der Trick mit dem Witz im Wald so gut funktioniert hatte, wurde er sogleich erneut angewandt.

Die Würfelproben funktionierten einwandfrei. Als Spielleiter sagte ich den Zielwert vor jedem Wurf noch einmal an (“… mindestens eine 2 würfeln”). Allerdings sollte erwähnt werden, dass die Kinder auch gewaltiges Würfelglück hatten. Nur beim zweiten Witz scheiterten sie, weswegen der Drache den Witz nicht verstanden hatte, aber sich dann über den Witz sinnierend und grübelnd zurückgezogen hat.

Anekdoten

Neben den oben bereits beschriebenen Aktionen um den Räuber und den Drachen zu überlisten, gab es noch einige weitere Punkte, die mich Schmunzeln ließen:

  • Für die Reisevorbereitungen packte die Prinzessin ihre Zahnbürste, Zahncreme, Kleider, Schuhe, eine Bürste, Schmuck, Kekse und Apfelschorle in den Koffer. Der Ritter rüstete sich mit seinem Schwert, dem Schild, einem Morgenstern und einer Keule aus.
  • Für die Prinzessin wurde als schlechtester Wert die Schnelligkeit gewählt. Begründung: mit einem langen Kleid kann man halt nicht schnell laufen ohne darauf zu treten.
  • Vom Drachenschatz wollten die Helden nichts haben, schließlich hätten sie daheim genug Geld und Gold.
  • Die arme Bauernfamilie wurde auf das Schloss eingeladen um dort mit den Helden zusammen zu wohnen.

Erkenntnis nach dem ersten Testspiel

  • Das Rollenspiel mit Kindern im Kindergartenalter ist mit dem konzipierten Regelwerk realisierbar. Die Kinder sind pfiffig und ideenreich, wenngleich das Alter der Kinder erwartungsgemäß entscheidend ist. Mit Vierjährigen ist zunächst eine 1:1, maximal 1:2 Sitzung vermutlich am besten geeignet. Mit Fünfjährigen (Vorschulkinder) sind sicherlich auch Runden zu viert problemlos machbar.
  • Die Phantasie der Kinder ist unschlagbar und unvorhersehbar, sodass das Spiel äußerst unterhaltsam werden kann.
  • Die gekürzte Version des Charakterbogens ist bei den ersten Runden definitiv anzuraten.
  • Die Möglichkeit viel zu Malen, hat den Kindern zusätzlich Spaß bereitet.

Inhalt

3 Kommentare

  1. Hi Michael,
    ich bin in der Sprachförderung von Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, tätig – gerade bin ich dabei, Material zu entwickeln, um bestimmte schwierige Sachen im Deutschen mit den Kindern zu üben, aber verpackt in Geschichten und Spielen, sozusagen ohne, dass sie es merken.. Ich habe noch gar keine Erfahrung mit Pen and Paper-Rollenspielen, aber ich könnte mir vorstellen, dass das eigentlich gut funktionieren könnte, wenn man es an den Sprachstand der Kinder anpasst.. Hast Du zufällig Erfahrung mit RPGs mit Kindern mit Deutsch als Zweitsprache? Danke und viele Grüße! Luigi

    1. Hallo Luigi,

      leider habe ich keine Erfahrung in dem speziellen Bereich, kann mir aber durchaus denken, dass das gut funktioniert – zumindest motiviert die Sprache zu nutzen und damit zu üben.

      Schönen Gruß,
      Michael

  2. Heute bin ich endlich dazu gekommen, mit meiner Tochter (5) das erste Mal einen Versuch eines Pen&Paper RPG zu wagen. Ich hatte Deine Website schon vor längerer Zeit entdeckt (auf der Suche nach genau so einer Idee, wie Du sie hier präsentierst) und angefangen, einen kleinen Charakterbogen selbst nach Deiner Vorlage zu erstellen.

    Während ich mit meiner Tochter zusammensaß und die Geschichte aufbaute, ist auch die dazu passende Landschaft – ganz einfach – aus Papier entstanden. Am Ende war es keine Bauerstochter, sondern die Prinzessin höchstpersönlich, die aus den Klauen des vermeintlich furchterregenden Drachen befreit werden musste. Da ich (Ritter Bogo) leider einen angeknacksten Fuß hatte, konnte ich bei dem Abenteuer nur mit Rat und weniger mit Tat zur Seite stehen und meine Tochter, die sich dazu entschieden hatte, ebenfalls (in ihrem Fall eine) Ritterin zu sein, begab sich ausgerüstet mit Schild, Schwert, Helm und Rüstung ins Abenteuer.

    Aus einem Sofakissen wurde ein Berg, aus ein wenig Papier der Pfad dorthin mit Abgabelungen, Büschen, Bäumen und sogar versteckten Diamanten, die später noch wichtig werden sollten (was selbst mir als “Gamemaster” zu Beginn unserer Reise noch nicht klar war).

    Beim Erwürfeln der Fähigkeiten zeigte sich bereits, dass Ritterin Elisa wenig eher etwas tolpatisch und auch nicht gerade die stärkste aller Ritterinnen werden sollte. Dafür aber flink war, gewitzt und über ein nicht unbeträchtliches Maß an Zauberkraft verfügte. Das erklärte vermutlich auch, warum aus ihrem Schwert ständig kleine Funken sprühten…

    Gleich hinter der Zugbrücke der Burg fand Ritterin Elisa direkt einen Diamanten und heimste ihn erst einmal ein.

    Und zu allen Gelegenheiten kam es zu Entscheidungen und dazu passenden Proben. Es wurden Schafe aus den Händen eines Trolls gerettet… wobei sich herausstellte, dass die Schafe einfach so abgehauen waren und der Waldtroll lediglich auf sie Acht gegeben hat. Das wurde allerdings erst offenbar, nachdem Ritterin Elisa – nach einer ersten Abfuhr – einen freundlicheren Weg wählte, den Troll die Schafe abzuquatschen…

    Und obwohl der Schäfer – glücklich über die Rückkehr seine Schafe – ganz klar erklärte, dass der Weg zu seiner rechten direkt zum Berg des Drachen führe und der Weg zu seiner linken einen Umweg über einen See mit einer Brücke mache, entschied sich Ritterin Elisa für die Brücke… um hinter einem Busch auf dem Weg dorthin auf einen fies wirkenden Gnom zu treffen, der niemanden über die Brücke lassen wollte.

    Ritter Bogo beriet Elisa über ihre Möglichkeiten, die sich sofort dafür entschied, einen Zauber anzuwenden. Geld schien für sie keine Option zu sein, obwohl sie genug davon hatte. Ohne großes Nachdenken sprach sie: “Eene meene mei, der Gnom lässt uns vorbei!” – der Tat wie geheißen. Und hinter der Brücke fand sich erneut ein Diamant, der da einfach so herumlag.

    Besonders freute sich meine Tochter darüber, nach jeder gemeisterten Situation ein Erfolgskästchen ausmalen zu dürfen. Sowieso fand sie es klasse, das Aussehen des Spiels mit beeinflussen zu können. Sie hatte zu Beginn direkt ihre Idee von ihrem Charakter auf den Bogen gemalt und auch ihre Figur um individuelle Ideen ergänzt.

    Dazu hatte ich zuvor auf Papier verschiedene Figuren gemalt und in kleine Halterungen geklemmt, die ich zuvor mit meinem 3D Drucker vorbereitet hatte. Darunter waren neben Ritter, Prinzessin, Zauberer und Hexe auch ein Abenteurer und eine Fee. Aufgrund der Gestaltung _dieser_ Geschichte wurde dann die Fee umfunktioniert zum Drachen (O-Ton meiner Tochter: “Haben ja beide Flügel…”) und aus dem Abenteurer wurde ein Schäfer. Der Ritter wurde zur Ritterin, der Zauberer zu Ritter Bogo, die Hexe zum Gnom und in der Originalbesetzung spielte die Prinzessin sich selbst. :)

    Meine Tochter ist übrigens wirklich gewitzt. Als Gamemaster hatte ich ihr zuvor erklärt, dass sie natürlich nicht alles sehen kann, sondern nur die Dinge, die gerade um ihre Figur herum sichtbar sind. Dass es also auf beiden Pfaden weiter hinten Diamenten gibt, weiß ihre Figur gar nicht. Meiner Tochter war also klar, dass sie sich nicht nur für einen Weg würde entscheiden müssen, sondern dadurch in jedem Fall auch nur einen Diamanten finden würde.

    Kaum kamen wir also auf der anderen Seite der Brücke an und fanden und auf dem gewundenen Pfad den Berg zum Drach hoch wieder, erklärte sie mir, sie würde auf dem anderen Weg in weiter Ferne etwas glitzern sehen und das noch erkunden wollen, bevor wir zum Drachen raufsteigen. Ritter Bogo erklärte ihr, dass die Zeit knapp würde und die Prinzessin so schnell wie möglich befreit werden müsse, doch Ritterin Elisa blieb standhaft: Sie entschied, ihre Schnelligkeit einzusetzen, bestand die Probe, flitze wie ein geölter Blitz los, fand den Diamanten und war zurück, bevor Ritter Bogo mit seinem angeknacksten Fuss auch nur einen Schritt in Richtung Berg machen konnte.

    Ihre Geschicklichkeit – so gering sie auch war – half dann auch, sie den schwierigen Pfad erklimmen zu lassen und auf die Frage hin, wie sie nun plane, in die Festung des Drachen einzudringen, entschied sie, über die Mauer springen zu wollen. Unter Einsatz von Glück erreichte Ritterin Elisa zwar sogar das, wurde aber direkt vom überraschten und vermutlich hauptsächlich dadurch entzürnten Drachen direkt wieder rausgeworfen.

    Unter Einsatz ihrer Intelligenz fand sie daraufhin einen alternativen Weg, der über die Rückseite der Festung zu einem ungeschützten Eingang führte. Von dort konnten Bogo und Elisa den Drachen noch immer recht aufgebracht vor dem Tor auf und abstampfen sehen, während die Prinzessin – neben einem weiteren Diamanten stehend und den beiden den Rücken zugewandt – ihn ängstlich dabei beobachtete.

    Bogo fragte Elisa, was sie nun zu tun gedenke. Entweder mit der Prinzessin schnell abhauen, oder versuchen, den Diamanten zu schnappen… oder sogar beides. Aber habt Acht! Schon das kleinste Geräusch könnte den Drachen aufmerksam machen. Ritterin Elisa stand allerdings total auf Diamanten. Im nächsten Spiel frage ich sie, ob sie lieber Giana heißen möchte und die Prinzessin ist ihre Sis…

    Ihr Plan lautete also wie folgt: Leise die Prinzessin einsammeln, während Bogo sich den Diamanten schnappt. Die Glücksprobe schlug fehl und so stolperte Bogo dank seines angeknacksten Fußes, der Drache wirbelte herum, wurde der Situation gewahr und versperrte sofort den Ausgang. Es kam zu einem Scharmützel, bei dem auch der letzte Glückspunkt nichts half, nachdem leider auch Kampfkraft und Stärke versagten: Der Drache schlug der tapferen Elisa das Schwert aus der Hand, das im hohen Bogen und einem Schweif aus Funken über die Mauer der Festung flog (vielleicht steckt es nun in einem Stein… wer weiß).

    Ritterin Elisa besann sich auf ihre Intelligenz und verwickelte den Drachen in ein Gespräch. Sie erkläre ihm, dass sie eigentlich gekommen seien, um die Prinzessin zu retten und unterwegs (irgendwie ist sie ins Schwafeln gekommen), sogar Diamanten gefunden hätten und (ehrlich ist sie auch) den hier auch gleich mitnehmen wollten. Normalerweise wäre das vermutlich nicht unbedingt ein Garant dafür, dass ein Drache plötzlich seine Meinung ändert… wenn nicht… ja wenn nicht… sich herausstellen würde, dass er die Prinzessin gar nicht in dem Sinne entführt hatte, sondern die meisten seiner Diamanten verloren hatte und die Prinzessin nur geholt hatte, damit sie ihm helfen könne, sie wiederzufinden.

    Es kam dann noch zu einer kleinen Verhandlung, bei der sich Ritterin Elisa dazu bereiterklärte, die Hälfte der Diamanten im Austausch gegen die nicht-wirklich-entführte Prinzessin zurückzugeben und der Drache willigte im Gegenzug ein, dass er ab und zu Besuch von ihr bekäme. Denn insbesondere nachdem er durch die Zeit mit der Prinzessin erfahren hatte, dass allein zu sein doch irgendwie doof ist, würde er sich halt freuen, wenn er ab und an mal mit jemandem zusammen eine Tasse Tee trinken könne oder so.

    War das Abenteuer nun beendet? Mitnichten.

    Denn trotz aller überwundener Herausforderungen stellte sich zum einen heraus, dass es noch offene Erfolgskästchen gab und dass Ritterin Elisa noch ein letztes Mal ihre Courage zeigen musste. Denn sobald sie mit Bogo und der Prinzessin im Schlepptau wieder in der Burg des Königs ankam, wollte dieser voller Zorn auf den fürchterlichen Drachen eine Armee entsenden, um diesem Ungetüm endgültig den Garaus zu machen.

    Rittern Elisa stelle sich ihm tapfer in den Weg, klärte den König auf, indem sie ihm ausführlich von ihrem Abenteuer berichtete und konnte ihn damit glücklicherweise besänftigen. Der Drache blieb verschont und zur Belohnung für ihr Handeln durfte meine Tochter auch die letzten Erfolgskästchen ausmalen.

    Insgesamt haben wir uns sicher eine Stunde lang beschäftigt und sie hatte einen Riesenspaß. Lediglich, als sie – statt mit dem Drachen – mit mir sprach und mit mir der Charakter durchging und mit dunkler Stimme ihr ins Wort fiel: “ICH bin der Drache, sprich mit MIR!” hat sie sich hart erschreckt und ich musste sie sehr schnell mit der Geschichte wieder einfangen. Das hat aber sehr gut geklappt und kurz darauf war die Prinzessin “gerettet”. :)

    Meine Tochter ist bereits heiß auf weitere Geschichten und wenn es nach ihr geht, scheint sich als nächstes eine Suche nach ihrem Schwert anzubahnen…

    Dir vielen Dank für diese tolle Inspiration!
    Lieben Gruß,
    Christian.

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