Rollenspielwürfel

Bild: © PantherMedia.net / Dirk Schönau (modifiziert)

FeenCon 2016 – die persönliche Rückschau

Lesezeit etwa 7 Minuten

Traditionell liegt zu Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen auch die FeenCon in Bad Godesberg bei Bonn. So war es auch in diesem Jahr wieder und sicherlich wieder über 1000 Rollen- und Tabletopspielfreunde fanden sich in der Stadthalle ein um 32 Stunden ihrem Hobby, dem Rollenspiel, nachzugehen. Die FeenCon 2016 brach allerdings mit der Tradition der vergangenen Jahre und läutete nicht den Hochsommer ein – was durchaus nicht von Nachteil war.

Auch ich hatte im reduzierten Umfang wieder meinen Beitrag geleistet und am Samstag scheinbar gegen den allgemeinen Trend eine Rollenspielrunde angeboten.

Ein wenig Statistik

Im Vorfeld bereits gestaltete sich das Programm der FeenCon arg ungewöhnlich, denn die gelisteten, vorangemeldeten Spielrunden erweckten zunächst einen äußerst einseitigen Eindruck. Man hätte durchaus auch auf die Idee kommen können, dass die Pathfinder Society die FeenCon 2016 schlichtweg übernommen hätte. Tatsächlich waren 96 Spielrunden vorangemeldet, 13 davon Pathfinder Society (zzgl. sechs Pathfinder Adventure Card Game Runden). Dieses System bildete damit schon den stärksten Block auf der zweitägigen Veranstaltung, gefolgt von NOVA, für das immerhin 8 Runden angeboten wurden und damit sogar den Klassiker DSA (6 Runden) verdrängt hat. Andere Klassiker wie Cthulhu (4 Runden), Shadowrun (nur 2 Runden) fielen sogar hinter Savage Worlds (5 Runden).

Natürlich beinhaltet diese Statistik keinen Anspruch auf vollständige Korrektheit, denn Zahlen über vor Ort noch angebotene sowie tatsächlich stattgefundene Runden liegen mir nicht vor. Dennoch hatte ich vor Ort den Eindruck, dass das Interesse an Spielrunden deutlich größer als die angebotenen Plätze war.

Die Spielrunde als Spielleiter

Gut für mich, denn die von mir am Samstag angebotene Spielrunde war bedingt durch die Konkurrenz schnell ausgebucht. Vorbereitet hatte ich das Cthulhu Now Abenteuer “Das Camp” aus der ersten Ausgabe des Fan Magazins Cthulhus Ruf. Auf die Spieler kam hier eine besondere Herausforderung an, denn sie alle mussten sich 10 bis 20 Jahre zurückversetzen und wieder in die Rolle von Teenagern schlüpfen. Recht schnell entbrannte hier der klassische Geschwisterzank, der zeigte, dass die Spieler in ihren Rollen angekommen waren. Es wurden Zimmertüren zugehalten, Kopfnüsse verteilt und verzweifelt nach Möglichkeiten zum Aufladen des Nintendos gesucht.

Achtung! Spoileralarm!
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Im Abenteuer “das Camp” finden sich die Spieler in der Rolle von Geschwistern im Teenageralter wieder, die mit ihren Eltern in ein Feriencamp am See gefahren sind. Bei einem Ausflug auf dem See finden sie die Leiche eines alten Mannes. Ohne Handyempfang und Erwachsene in der näheren Umgebung sind sie völlig auf sich gestellt. Zurück im Camp sind die Eltern immer noch nicht von ihrer Einkaufstour zurück, dafür aber machen die Kinder eine weitere geheimnisvolle Entdeckung im Haus und haben Kontakt mit einem äußerst ungewöhnlichen Naturereignis…

Selbstredend sind die unfreiwilligen Abenteurer nicht ungeschoren davon gekommen und mindestens zwei der Kinder werden für lange Zeit unter psychologischer Betreuung stehen, wenn nicht sogar dauerhaft in einer fürsorgenden Einrichtung  verbleiben.

Das Abenteuer beinhaltet ein paar Schwächen, die den Spielleiter durchaus ins Schwitzen bringen können, doch zu meinem Glück haben die Spieler diese Pfade nicht eingeschlagen. Aus meiner Sicht also ein gelungener Auftakt zur FeenCon 2016. Das Camp, bzw. die erste Ausgabe des Magazins Cthulhus Ruf ist kostenfrei auf der Webseite des Projekts erhältlich.

Da die Runde knapp 5 Stunden gedauert hatte, stand mir nun der Sinn auch selber noch als Spieler in eine Spielrunde einzusteigen. Der Blick auf den Spielaushang enttäuscht allerdings, denn die angeschlagenen Runden waren bereits alle komplett ausgebucht und auch bei mehreren Kontrollgängen wurden für den fortschreitenden Nachmitteg, bzw. Abend keine weiteren Spielrunden ausgehangen. Eine gute Möglichkeit also um nach einigen netten Gesprächen den ersten Tag zu beenden und daheim die Aufzeichnung des Cthulhu Spiels vom Donnerstag für das Podcast Format fertig zu schneiden.

Die Spielrunde als Spieler

Um jedoch dennoch auf meine Kosten als Spieler zu kommen, blieb mir also nur noch die Möglichkeit bereits früh am Sonntag wieder in Bonn zu sein. Tatsächlich ergab sich so die Möglichkeit endlich einmal eine Savage Worlds Runde zu spielen. Gespielt wurde eine Demo Mission für das noch nicht erschienene Setting “Nebula Arcana“, einer Urban Fantasy Variante in der ich in die Rolle eines Werwolfs schlüpfen durfte, der zusammen mit einer Elfen, einem Zwerg und zwei Menschen im Auftrag des Pentagramm Ordens auf die Suche nach einem verschleppten Mädchen geschickt wurde.

Meine erste Spielerfahrung mit Savage Worlds ist äußerst positiv verlaufen. Zwar war das ständige Suchen nach dem richtigen Würfel ein wenig nervig, doch das Konzept der Initiative basierend auf den zufällig verteilten Spielkarten und der Einsatz von haptischen Bennies (in unserem Fall Knöpfe mit denen man sich einen erneuten Wurf erkaufen kann) haben mir gefallen. Sicherlich hat dies auch einige Nachteile (Initiative ist nun purer Zufall), dafür aber auch einige Vorteile (deutlich sichtbar wer wann dran ist und dran war). Die Regelwerke und diverse Settings befinden sich schon seit geraumer Zeit (auch gelesen) in meinem Bestand. Gespielt werden sollte Savage Worlds nun durchaus auch häufiger. In welchem Setting, muss sich dann aber noch zeigen. Und in Sachen RPG Challenge 2016 hat mich das auch wieder voran gebracht…

Ein ausgiebiges Gespräch mit Thomas Michalski von der DORP rundete für mich den Tag (und damit die FeenCon 2016) ab. Bis zur äußerst unterhaltsamen und traditionellen Versteigerung zum Ende des Tages bin ich dann nicht mehr geblieben.

Und sonst noch?

Diese Liste der Punkte, die ich nicht gemacht/besucht habe, wäre definitiv zu lang. Zahlreiche Lesungen und Workshops, ein großes Außengelände mit einigen mittelalterlichen Ständen, Nerf-Gun Schlachten sowie Kämpfe mit Schaumstoffwaffen (Jugger). Die zahlreichen Verkaufs- und Ausstellungsstände von Verlagen und Künstlern habe ich alle besucht und bewundert.

Der Uhrwerk Verlag hatte die Boxen aus der Crowdfunding Kampagne zum deutschsprachigen Numenera Rollenspiel dabei und auch schon einige Bücher aus dem Sortiment des nun integrierten Feder&Schwert Verlags.

Bei Pegasus wurde mir der neue Liefertermin für das Resultat der Kickstarter Kampagne “Die Zwerge” genannt: Ende September soll nun die große Erweiterung des Brettspiels verfügbar sein, definitiv nicht vor der Spielemesse in Essen. Der Lieferplan war einmal Dezember 2015… Ob es für die amerikanischen Spieler damit eine Abholmöglichkeit auf der GenCon 2016 geben wird, halte ich damit auch für unrealistisch.

Feencon

Fazit

Das Wetter war äußerst angenehm in diesem Jahr. Die Gefahr von völlig überhitzten Räumlichkeiten bestand nicht im geringsten. Die Preise des Caterings sind leider immer noch auf einem teilweise exorbitanten Niveau, was mich – wie auch in den Jahren zuvor – dazu bewegt hat insbesondere meine Getränke wieder selber mitzubringen. Die Organisation durch die GfR ist wie gewohnt top. Unzählige eifrige Helfer in gelben T-Shirts sorgten wie gewohnt für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung, und dass man Cthulhu nur mit einem “L” schreibt, wird man im kommenden Jahr sicherlich auch berücksichtigen. Ein großer Dank geht an Tore Herr, der nach 16 Jahren den Posten des FeenCon Organisators nun weitergibt.

Den etwas faden Geschmack der geringen Zahl an angebotener Spielrunden werde ich allerdings nicht los und dies ist aus meiner Sicht für eine Convention dieser Größenordnung sehr Schade. Rechnerisch wurden 1000 (vorangemeldete) Spielplätze angeboten, im Mittel für rund jeweils 5 Stunden. Rein rechnerisch reicht dies nicht aus um 2000 Teilnehmer zu beschäftigen.

Als ich am Sonntag die Stadthalle verließ, hing schon der erste Zettel aus, auf dem eine Gruppe von Spielern verzweifelt nach einem DSA Spielleiter für den Nachmittag suchte… Ob dieser subjektive Eindruck mich getäuscht hat, müsste aber noch geklärt werden. Vielleicht korrigiert mich da jemand.

Die FeenCon 2017 findet vom 22.-23. Juli 2017 statt, sicherlich auch wieder mit meiner Beteiligung und sicherlich auch wieder mit mehr Spielrunden – zumindest von meiner Seite – im Angebot.

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