Fail

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Epic Fails und Darwin Awards im Rollenspiel

Der letzte Gegner liegt am Boden, die Gefahr ist gebannt und das Abenteuer erfolgreich überstanden. Nichts, aber auch wirklich gar nichts liegt nun noch zwischen den Helden und dem heiligen Gral, den es zu finden galt. Im strahlenden Glanz der aufgehenden Sonne, der ihr Licht sich durch die Höhle bahnt, steht der Kelch aus poliertem Gold, mit Edelsteinen verziert, gefüllt mit dem süßen Wein, der die Linderung aller Schmerzen und die Heilung aller Wunden verspricht und umgeben von Schätzen unermesslichen Ausmaßes.

Erschöpft und demütg, aber voller Stolz und Freunde nähern sich die Helden und können es noch nicht fassen. Nach all den Risiken, Gefahren und Schlachten ist der Augenblick gekommen an dem all ihre Mühen belohnt werden sollen. Langsam, wirklich nur langsam, aber dann immer mehr zeichnet sich ein Lächeln auf den blut- und rußgeschwärzten Gesichtern der Abenteurer ab. Erst beginnt einer vor Freude zu lachen, dann stimmen auch die anderen ein und bald schon liegen sich alle in den Armen, lachen, weinen, singen und tanzen als jegliche Anspannung von ihnen abfällt. Bis, ja bis Endamor voller Überschwang und Freude und mit ebenso viel Kraft mit geballter Faust auf den alten Pfosten in der Mitte der Grotte einschlug…

September im Karneval der Rollenspielblogs und in diesem Monat darf ich den Umzug ehrenvollerweise einmal anführen. Das Thema in diesem Monat lautet dabei “Epic Fails und Darwin Awards im Rollenspiel“. Zugegeben, das Thema ist einmal etwas anders als in den vergangenen Monaten und wird vermutlich (hoffentlich) auch einen unterhaltsamen Charakter haben und möglicherweise (wahrscheinlich) weniger einen spieltheoretischen und nützlichen. Doch warum sollte man nicht auch einmal auf die Effektseite des Rollenspiels schauen und nach außen zeigen, wie viel Spaß man mit diesem Hobby haben kann. Und wenn doch hilfreiche Tabellen, Listen und anderweitige Beiträge dabei entstehen, dann immer her damit!

Worum es bei dem Karneval der Rollenspielblogs grundsätzlich geht, kann im Forum von RSP-Blogs.de nachgelesen werden. Wer in diesem Monat teilnimmt und einen Beitrag zum genannten Thema produziert hat, kann in den Kommentaren unten auf dieser Seite und/oder im Forum gerne darauf verweisen.

Karneval der Rollenspielblogs

Für mich sind sie das Salz in der Suppe des Rollenspiels, die Momente, in denen etwas Außergewöhnliches passiert über das dann auch noch Monate, vielleicht gar Jahre später gesprochen wird. Selten sind es die Abenteuer selber, viel mehr sind es einzelne Ereignisse, die sich derweil ereignet haben. Da ist die Abenteurerin, der sich in der ausweglosen Situation heldenhaft aufopfert um ihren Kameraden oder gar die ganze Welt zu retten und posthum für alle Zeit mit einem Denkmal verehrt wird. Wie die Spieler in die Situation geraten sind und worum es eigentlich bei dem Abenteuer ging, das weiß nachher niemand mehr.

Aber da sind auch die beiden anders gearteten Charaktere, derer auch nach ihrem imposanten Abgang gedacht wird, jedoch nur selten voller Respekt und schon gar nicht mit einem Denkmal. Und über genau diese erzählt man sich auf Conventions abends am Grill ausführlich – oder halt im Rahmen dieses Karnevalumzugs.

Da ist einmal der Trottel, der aufgeschreckt durch das Rascheln einer kleinen Maus in der Kanalisation ungeschickt eine scharfe Granate wirft und so kurz nach der stundenlangen Charaktererschaffung die gesamte Abenteuergruppe auslöscht. (Im Idealfall sogar mit einer Thermitgranate, so dass alle Charaktere verdampfen und ein entsprechnde Würdigung fällig wird, bevor die neuen Klone herngeschafft werden.)

Ein solcher Fall wird mit Epic Fail (episches Scheitern) bezeichnet. Ein solches Ereignis muss nicht durch einen kritischen Fehlschlag bei einem Würfelwurf ausgelöst werden. Eine Unachtsamkeit des Spielers reicht aus in der er vergessen hat, dass er links von sich eine Wand hat und diese die Flammen seines dorthin gerichteten Flammenwerfers nahezu ungebremst auf ihn und wahrscheinlich sogar seine Kameraden zurückprallen lässt. Vielleicht ist es auch nur eine unbedachte Aussage dem an und für sich freundlich gesinnten NPC, dem Anführer der Hundertschaft Barbaren, gegenüber, die dem Spielverlauf eine rasante Wendung geben wird.

Aber es gibt auch – und derer habe ich schon deutlich mehr gesehen – den vermeintlichen Superhelden, der am Ende des erfolgreich gelösten Abenteuers unbedingt noch sicherstellen möchte, dass das Artefakt nie wieder Schaden anrichten wird und damit eine Kernexplosion ungeahnten Ausmaßes auslöst. Genau genommen handelt es sich hierbei auch um Epic Fails. Doch sie sind ob der Tatsache, dass sie die Arbeit der vorausgegangenen Spielstunden gänzlich und völlig unnötig zunichte machen, eine besondere Klasse für sich und verdienen eigentlich eine separate Auszeichnung.

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Der Darwin Award bezeichnet einen real existierenden, sarkastischen Negativpreis für Menschen, die sich durch große Dummheit ausgezeichnet haben. In der Regel wird der Preis posthum vergeben, da der entsprechende Preisträger durch sein Handeln sich selber ins Jenseits befördert hat und den Preis dadurch nicht mehr persönlich entgegen nehmen kann. Namensgeber für den Preis ist Charles Darwin, der seinerzeit die Theorie der natürlichen Auslese aufgestellt hat, derzufolge nicht geeignete Lebensformen von sich aus den Genpool nicht weiter mit ihrer Erbmasse belasten, indem sie vorzeitig ableben oder unfruchtbar sind.

Aber das soll noch längst nicht alles gewesen sein. Viele weitere Ansätze für einen Beitrag ergeben sich aus dem Thema: Wie sieht es allgemein mit den klassischen, kritischen Patzern aus? Vielfach ist hier durch den Spielleiter situationsbedingt eine passende Szene zu ersinnen. Wie geht man damit um, wenn die Spieler reihum beim Öffnen des abenteuerrelevanten Schlosses oder der Entschärfung der Bombe versagen und der letzte in der Reihe dann auch gleich patzt? Fail Forward oder muss eine solches Würfelschicksal zwangsläufig mit der Katastrophe bestraft werden? Gibt es universell einsetzbare Patzertabellen? Wie gehen unterschiedliche Spielsysteme damit um? Braucht man kritische Patzer (und kritische Erfolge auf der anderen Seite) überhaupt?

Wie sieht es aus mit Pannen bei der Herstellung von Rollenspielmaterial? Fehlende Seiten und gar ganze Kapitel sind nichts ungewöhnliches mehr, aber gibt es auch gravierendere Fehler? Wo ist das Rollenspielsystem, bei dem Mahatma Ghandi mit der Atombombe droht?

Das Themengebiet ist vielfältig und lässt Spielraum für eine ganze Reihe an Diskussionen, Ansätzen oder einfach auch nur unterhaltsame Anekdoten. Ich freue mich also über eine hoffentlich rege Beteiligung in den Blogs, den Kommentaren oder auch im bereits erwähnten Forum.

Zu den Begrifflichkeiten:

Fail Forward bezeichnet die Strategie, bei der bei handlungsrelevanten Aktionen ein (kritischer) Patzer nicht zu einem Spielabbruch führt, sondern lediglich “schlimme Dinge” passieren. Die eigentliche Aktion, also das Öffnen einer Tür, gelingt dennoch – nur der Charakter spießt sich dabei den Dietrich in den Finger oder verursacht ein unüberhörbares Gepolter und der Überraschungseffekt ist dahin.

Ein kritischer Patzer ist in vielen Rollenspielsystemen ein gefürchtetes Würfelergebnis. Die höchstmöglichen (oder niedrigsten) Würfelergebnisse gelten automatisch als Fehlschlag für eine Probe, unabhängig von der eigentlichen Fertig- oder Fähigkeit des Akteurs. Im Gegensatz zu einem regulären Patzer (dem einfachen Scheitern der Probe), hat der Charakter nun auch noch mit negativen Konsequenzen (Verletzungen, Lärm, Schaden an Ausrüstung, etc.) zu rechnen.

10 Gedanken zu “Epic Fails und Darwin Awards im Rollenspiel

  1. Schönes Thema, da bietet sich ein Anekdoten-Podcast geradezu an …

    Nachfrage zu Fail Forward, wurde neulich auch bei G+ diskutiert. Soll der Patzer dann darüber hinaus nicht noch die Handlung voranbringen?

  2. Falls Du den hier gelten lässt:
    https://twitter.com/w6vsw12/status/649306531427651584

    Betreffender Typ liebte die Pathfinder-Tieflinge und hat bei jeder Gelegenheit, für jeden Anlass, einfach immer eine Tiefling-Variation anbringen können (aus irgendeinem Quellenband 5000x v1.003.2 oder so mit Anpassung xy), der für die aktuell angedeuteten Bedürfnisse optimal war. Die im Tweet beschriebene Situation war aber der Höhepunkt dieser Absurditäten, die regelmäßig den ohnehin schleppenden Spielfluss gestört haben.

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