Der Almer – Comedi Szene 2

Lesezeit etwa 5 Minuten

Fortführung basierend auf der Erzählung von Raphael Duchamps.

Bericht von Almer Alois Fenderhuber

Von Kraftausdrücken bereinigt und ins Hochdeutsche übertragen von Michael L. Jaegers

Die Sonne hat aus allen Knopflöchern geschienen an jenem Tag. Es war ein schöner Frühlingstag und bereits kurz nach Sonnenaufgang habe ich mich aufgemacht, um das Vieh [Anm. des Übersetzers: gemeint sind die Kühe] auf die Alm zu bringen. Es wurde auch langsam Zeit, dass die Tiere endlich wieder aus den Stallungen heraus und in die höheren Gefilde zum Grasen kamen.

Ich trieb also die Herde die Serpentinen hinauf, auf der für gewöhnlich nicht mit Verkehr zu rechnen ist. Überhaupt sind wir hier von diesen Touristen weitgehend verschont und haben unsere Ruhe vor Fremden. Hier sind wir unter uns, da herrscht Ordnung und man kann zu jeder Stunde sein Haus unverschlossen lassen und muss sich keine Sorgen machen, dass einem etwas entwendet wird oder einem die Frau abhanden kommt.

Dies ist der zweite Teil des Lovecraftesque Blogspiels um Raphael “Comedi” Duchamps. Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, sollte sich zunächst auf den Blog von Moritz Mehlem begeben.

Wie auch immer. Auf jeden Fall rauschte da dieser junge Bursche mit seinem Fahrrad die Straße hinab. Das Vieh hat er wohl nicht gesehen und bremsen konnte er bei der Geschwindigkeit auch nicht mehr rechtzeitig. Da ist er dann, als er der Herde gewahr wurde, von der Straße abgekommen und im hohen Bogen über den Bach in die angrenzende Weide geflogen. Er kann von Glück reden, dass ihm dies nicht weiter hinten passiert ist, denn dann wäre er den steilen Abhang hinab geflogen, was sicherlich sein Ende bedeutet hätte.

Erst wollte ich ihn dort liegen lassen – sollte es ihm doch eine Lehre sein –, aber nachher heißt es wieder, wir seinen nur Hinterwäldler und ein Unmensch bin ich ja auch nicht. Also bin ich zu ihm hingegangen und hab ihm aufgeholfen. Eine ganze Reihe an Schrammen hatte er sich bei dem Sturz zugezogen und meiner Meinung nach, hatte er verdammt viel Glück, dass er sich seine Knochen nicht gebrochen hat. Sein neumodisches Fahrrad hat es da in jedem Fall deutlich schlimmer getroffen, das würde ihn nicht mehr weit bringen.

Am nahen Bach habe ich ihm dann erst mal mit meinem Schnupftuch dann die blutigen Stellen gesäubert und ihm einen Schluck von meinem Obstler angeboten.

Das hatte ich nun von meiner Hilfsbereitschaft. Auf seinen seltsamen, für die Berge wahrlich ungeeigneten Schuhen humpelte der Bursche wie auf rohen Eiern neben mir her und plauderte auf mich ein. Vorgestellt hat er sich mir auch, so einen französischen Namen hat der Kerl gehabt, Ralf Düschams, oder so.

Und dann wollte der auch noch etwas über ein Essensfest oder so wissen. Das müsse ich doch kennen, hat er immerzu beharrt, schließlich sei ich ja von hier. Und alt genug sei ich ja auch, denn das Fest finde nur alle 23 Jahre oder so statt. Ich habe immer wieder beteuert, dass ich nichts von einer solchen Feier wisse. In der Stadt gibt es einmal im Jahr ein Platzkonzert mit Blasmusik, da gibt es dann auch Grillbuden und oben auf den vermaledeiten Skipisten gibt es wohl eine ganze Reihe an Hütten in denen in der Saison wohl täglich gefeiert wird, aber hier bei uns, da haben wir keine Zeit für so einen Unfug.

Über den Hexenhof hat er mich auch ausgefragt. Das ist so ein altes Gehöft die Ziegerbergstraße hinauf. Der hat der alten Sophie – Gott hab sie selig – gehört, ist aber schon vor vielen Jahren eines Nachts abgebrannt, wohl zusammen mit der Sophie. Kinder hat die Alte keine gehabt, zumindest keine von denen ich wüsste. Und so hat sich keiner um die Reste des Bauernhofs bemüht. Eine Schande eigentlich, denn der Hof war nicht von schlechten Eltern, hat über die Jahre viel abgeworfen, aber als Brandruine und nach so vielen Jahren des Verfalls, ist damit nicht mehr viel anzufangen.

Der Bursche ließ mit seiner Fragerei nicht locker. Mein friedlicher Vormittag war dahin und in seinen komischen Schuhen lahmte er mittlerweile auch schon wie die alte Marie, die wir letzte Saison geschlachtet haben. Das war ein Jammer, denn das war eine wahrlich gute Milchkuh gewesen. Doch die hätte den Weg zur Alm dieses Jahr nicht mehr geschafft.

Da wo es zu den Weiden hinauf geht, habe ich mich Gott sei Dank von ihm trennen können. Der Kerl ist den Weg weiter entlang gelaufen. Es würde mich nicht wundern, wenn der nimmermehr wo ankommt. Vielleicht fällt er noch in eine dieser Erdlöcher und Höhlen dort droben. Dann wird wieder tagelang nach ihm gesucht.

Na ja, verstehen sie mich nicht falsch, aber ein Verlust wäre es sicher nicht. Läuft hier mit so merkwürdigen Schuhen entlang und macht Geräusche wie meine Kühe auf dem Asphalt. Und die Brille, konnte er dadurch überhaupt etwas sehen? Die Gläser schimmerten goldig in allen Farben. Wahrscheinlich hatte der mehr Geld als Verstand. Solche Leute brauchen wir hier nicht. Bei uns muss man anpacken können. Mein Brot verdiene ich mir jeden Tag mit meiner eigenen Hände Arbeit und ich muss zum Essen nicht auf ein Fest gehen, wo andere für mich kochen. Das können sie auch die Rosa fragen, die kocht für mich jeden Tag, seit über 56 Jahren.

[Anm. des Übersetzers: Der weitere Bericht des Almers beinhaltet keine weiteren sachdienlichen Hinweise und wurde daher nicht weiter niedergeschrieben.]

Neuer Charakterzug des Protagonisten: risikofreudig

Neuer Nebenschauplatz: –

Hinweis: Hexenhof

Weiter geht das Abenteuer von Raphael “Comedi” Duchamps demnächst auf dem Blog von Tim.

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