Cthulhu Flair

Ich versuche mich nun auch einmal am Karneval der Rollenspielblogs. Das Thema dieses Monats (April 2015) sind „Vignetten, Lokalkolorit und Versatzstücke“. Zugegeben, ich musste mich auch erst einmal einlesen um zu verstehen, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt. Letztlich finden wir dahinter aber einfach nur ein paar stimmige Beschreibungen, die im Rahmen eines Rollenspiels verwendet werden um eine Situation, einen Ort oder eine Person besonders schön, elegant und blumig zu beschreiben.

Eine Beschreibung wie „Ihr seht ein Haus im Wald“ ist eher lustlos. Viel spannender sind aufwändig gestaltete Beschreibungen die den Spielern sogleich ein detailiertes Bild im Kopf entstehen lassen wie: „Ihr tretet zwischen den Bäumen hervor auf eine kleine Lichtung in deren Mitte ein kleines Häuschen steht. Das Dach des Hauses ist etwas windschief und auch die Wände wirken nicht so als seien sie mit einem Lot erstellt worden. Bei näherer Betrachtung scheint auch das Baumaterial von einer ganz ungewöhnlichen Sorte zu sein, denn zwischen den Fachwerk seht ihr nicht den üblichen Lehm, vielmehr scheint das ganze Haus mit gebackenem Teig geschaffen zu sein. Der Duft von Nelken und Zimt steigt euch sogleich in die Nase und zwischendurch ragen auch noch Mandeln aus den Wänden heraus…“ Dass da eine schrullige alte Frau mit Hakennase und einigen Warzen im Gesicht aus einem der Fenster lugt, braucht man dann fast gar nicht mehr zu erzählen. Für die eigentliche Geschichte, bzw. Handlung sind diese Randepisonen nicht von belang und sollen lediglich etwas Flair schaffen.

Karneval der Rollenspielblogs
Karneval der Rollenspielblogs – April 2015

Mein Steckenpferd ist bekanntlicherweise das Call of Cthulhu Rollenspiel, so dass mein Beitrag zum April Umzug dementsprechend zehn kurze Beschreibungen sind, die für ein cthuloides oder auch allgemeines Horrorszenario verwendet werden können, natürlich nicht ohne auch den ein oder anderen Schmunzler dabei zu haben, denn letztlich ist das ja alles auch nur ein Spiel.

  1. Vom Fenster aus hat man einen guten Blick auf einen kleinen Bauernhof. Aus der Scheune neben dem Wohnhaus kommt die alte Bäuerin mit einem braunen Huhn unter dem Arm, dem sie kurzerhand den Hals umdreht.
  2. Auf dem Jahrmarkt im Ort wird allerhand feilgeboten. An einem Stand bietet ein Händler kleine Schnitzereien an. Es handelt sich überwiegend um kleine und äußerst detailreich gestaltete Tiere wie Schlangen, Skorpione, Schnecken und Spinnen.
  3. Früh am Morgen liegt der graue Nebel noch in den Tälern. Die wenigen Häuser und Hütten ragen aus ihm hervor als stünden sie halb versunken in einem großen, stillen See. Nur eine kleine Kirche trohnt bereits von der Sonne angestrahlt weiß leuchtend auf einem Hügel wie auf einer Insel erhaben über allem.
  4. Als die Sonne hinter dem Wald versinkt wachsen die Schatten der Bäume immer schneller und greifen nach dem Lager der Abenteuer wie mit den Händen einer großen, dunklen Macht um dann mit der ihr folgenden Dunkelheit zu verschmelzen.
  5. „Es tut mir leid,“ entschuldigt sich der Fotograf bei einer Kundin, „jedoch scheint mit dem Film etwas nicht in Ordnung gewesen zu sein. Auf allen Bildern sind merkwürdige Schatten. Ich werde selbstverständlich für sie neue Bilder anfertigen. Wann wäre es ihnen denn recht?“
  6. Am Pier unterhalten sich zwei offensichtlich angetrunkene Seeleute: „… und die Tentakel waren so lang, die haben sich zwei mal um das ganze Schiff gewickelt. Und meine Axt ist an denen abgeprallt ohne auch nur den geringsten Schaden auszurichten. Ich dachte, das wäre mein Ende!“
  7. Während sich die Abenteurer hungrig über den Eintopf, dem einzigen Gericht in der Schenke, hermachen, ruft ein Gast am Nachbartisch leicht nuschelnd: „Wirt, bring mir auch noch mal eine Portion von dem Innereientopf!“
  8. Aus der Ferne erschallt ein tiefes, dunkles Horn. Hastig, aber nicht überstürzt, packen die Marktleute ihre Waren und Stände ein und innerhalb weniger Minuten ist der Marktplatz wie leergefegt. Was noch übrig geblieben ist, treibt der aufkommende Wind vor sich her durch die nun verlassenen Gassen.
  9. Eine schwarz-weiße Katze hockt auf auf ihrem Körbchen am Boden und starrt scheinbar minutenlang reglos, mit großen Augen und nach vorne gerichteten Ohren wie gebannt in die leere Ecke des Raumes.
  10. Ein Computer auf dem Nachbartisch piepst. Einige LED’s leuchten auf, die Festplatte und der Lüfter beginnen laut zu surren. Der Bildschirm flackert ein paar mal kurz, dann ist wieder alles still.

 

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