Am vergangenen Wochenende fand in Köln die achte Messe für Rollenspieler aller Art statt. Ein bunter Trubel von Elfen, Orks, Rittern und auch Zombies zog dabei nicht nur durch die Messehallen.

RolePlay Convention 2014

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Messe wieder einmal deutlich gewachsen, aber basierend auf meinem subjektiven Empfinden interessanterweise nicht im Bereich der Computerspiele, sondern wohl mit Schwerpunkt im sogenannten LARP Segment, dem Live Rollenspiel. Hierfür boten zahlreiche Händler und Hersteller von Kleidern und Kostümen bis hin zu teilweise äußerst archaischen Waffen alles erforderliche feil.

Mein Metier sind diese beiden Richtungen des Rollenspiels eher nicht. Das klassische Pen&Paper (Stift und Papier) genannte Rollenspiel liegt mir da schon eher. Am Samstag habe ich so als Spielleiter ein längeres Rollenspiel für Cthulhu angeboten und mich am Sonntag dann selber über die aktuellen Entwicklungen und Trends erkundigen können.

Spielrunde

Das Spiel am Samstag war für mich in einiger Hinsicht eine Herausforderung und auch als Spielleiter mal wieder lehrreich.

Grauen in Arkham

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Angeboten hatte ich das Abenteuer “Die Puppenmacherin” aus dem zwischenzeitlich vergriffenen Band Grauen in Arkham. Angesetzt war das Abenteuer mit einer Spieldauer von rund sieben Stunden. Für die Messe war dies definitiv ungeeignet, denn ich hatte es primär mit Cthulhu Neulingen zu tun für die zunächst einmal aufwendig Charaktere erschaffen und diese dann auch noch sinnvoll in Interaktion gebracht werden mussten. Daraus resultierend habe ich gelernt, dass zum einen passende Charaktere besser bereitgestellt werden (Hausaufgabe für mich) und das Abenteuer gekürzt und vereinfacht werden muss. Die zweite Herausvorderdung ergab sich durch die multilinguale Spielerschaft. Zwei gut deutsch sprechende Spanier, ein nur der englischen Sprache mächtiger Inder und zwei Deutsche Spieler, von denen eine wohl nur schlecht englisch verstand. In Summe haben diese Faktoren dies wohl eher weniger zur Spielfreude beigetragen – zumindest ich bin zwar um eine Erfahrung reicher, war aber insgesamt nicht zufrieden.

Messerundgang

Von den Grauen des Vortages erholt startete ich am Sonntag meine privaten Runden durch die Messehallen. Zunächst galt mein Weg dem Messestand von Cthulhus Ruf. Aktuell ist hier die fünfte Ausgabe erschienen und bietet als würdiger Nachfolger zum zwischenzeitlich eingestellten Magazin “Cthuloide Welten” spannendes Material für Cthulhu Abenteuer. Für die Messe hat sich das Team von Cthulhus Ruf nicht lumpen lassen und die letzten verbliebenen Exemplare ihrer gesammelten Werke zusammengekratzt, Pakete daraus geschnürt und zum Support von Huan Vus Dreamland-Projekt veräußert.

Die Farbe - H.P. Lovecraft's The Colour Out of Space [Blu-ray]

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Huan Vu, am Stand nebenan ebenfalls auf der Messe vertreten, hatte bereits mit seinem Film Die Farbe bei den Lovecraft Anhängern viel Anerkennung geerntet. Huan Vu stand für Fragen zum neuen Projekt, aber auf für Kritik an seinem Film zur Verfügung. Hier konnte ich also schon einige nette Gespräche führen und war auch kurz geneigt am Casting teilzunehmen, was aber meinen Hauptkritikpunkt am ersten Film konterkarriert hätte…

Ein schneller Rundgang durch die Halle, kurzes Gespräch bei den Kollegen von der GFR (Gilde der Fantasy-Rollenspieler e.V.) hinsichtlich der diesjährigen FeenCon am 19. bis 20.7.2014 in Bonn. Bei der FeenCon handelt es sich meiner Meinung und Erfahrung nach um eines der besten Events für Rollenspieler. In diesem Jahr findet sie schon zum 25. mal statt. In meinem Kalender ist sie bereits vermerkt und meine Programmpunkte (Cthulhu Runden, was denn sonst) werde ich in Kürze auch anmelden.

In der Nachbarhalle war deutlich mehr Betrieb. Auch die Lautstärke in dieser Halle war insbesondere im Bereich der Computerspiele gewaltig. Große Bühnen von Hard- und Softwareherstellern versuchten mit Licht und Lärm ihre Kunden zu fangen. Kein Ort sich unnötig lange aufzuhalten.

Zwischenstop am Stand von Pegasus. Hier informierte ich mich über die Neuerungen im Umfeld des Cthulhu Rollenspiels. Zum einen sind ja frisch zwei neue Bände erschienen, zum anderen ist ja auch die vierte Edition des Regelwerks und eine Neuauflage der “Berge des Wahnsinns” Kampagne vorgesehen.

Cthulhu, Gaslicht

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Doch der Reihe nach: Lang erseht war der Band “Gaslicht – Cthulhu in den 1890er Jahren“. In Amerika bereits seit einiger zeit verfügbar hatte man sich in Deutschland lange bitten lassen, bis die Übersetzung nun erhältlich ist. Cthulhu ist üblicherweise primär im Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen mit Schwerpunkt um 1928 angesiedelt, doch die unheimlichen Wesen sind natürlich ncht erst seit jener Zeit auf der Erde anzutreffen. Die Settings reichen vom Mittelalter bis hinein in die Zukunft. Das Viktorianische Zeitalter wird aber nun mit dem Gaslicht Band besonders gewürdigt.
Cthulhu, Die Bestie

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Ebenfalls frisch erschienen ist der dritte Kampagnenband der Kampagne “Die Bestie”. Nach “Praeludium“, “Die Träume des Kophru Ka” ist nun der Abschluss mit “Der Tag der Bestie” erhältlich.

Mit großem Interesse verfolgte ich auch den Erläuterungen hinsichtlich der Änderungen am Regelwerk, die sich mit der neuen Edition von Cthulhu ergeben werden. Ein Heft mit Schnellstartregeln lag am Stand bereit, so dass man sich auch schon näher mit den Änderungen befassen kann. Das neue Regelwerk wird aber noch etwas auf sich warten lassen. Die Neuerungen halten sich dabei im Rahmen, denn viele der Aspekte die aus den USA nun in das Regelwerk einfließen, waren in den deutschen Fassungen schon lange mindestens als optionale Regeln enthalten. Ein Blick auf den neuen Charakterbogen zeigt fünf wesentliche Änderungen recht deutlich: Zum einen können Attribute (!) und Fertigkeiten zukünftig nach kritischen Erfolgen wirklich gesteigert werden. Aus meinen Spielrunden weiß ich, dass der Spieler seinen Charakter gerne auch auf diese Weise weiterentwickeln möchte und sich daher über diese Anpassung freuen wird. Deutlich geändert wird die Handhabung des Glücks. Hierbei bin ich skeptisch und halte die Neuerung für weniger gut. War Glück bislang ein Attribut, gegen welches man ab und an eine Proble ablegen konnte, so wird es nun ein variabler Wert mit dem man sich bei Bedarf fehlende Punkte zu einem Fertigkeitswurf erkaufen kann. Hierdurch kann ein misslungener Wurf gerettet werden, jedoch sinkt im Gegensatz das Kontingent der Glückspunkte. Die Attributswerte werden nun auch in Prozent angegeben. Hierzu werden die wie bislang erwürfelten Werte lediglich mit fünf multipliziert. Eine angenehme Neuerung, die die Handhabung etwas vereinheitlicht und wärend des Spiels die ein oder andere Rechenaufgabe erspart. Dementsprechend entfällt nun auch der Wert für Idee, denn dieser ist bereits mit INx5 identisch mit dem zukünftigen Wert für Intelligenz.

Ein Blick auf die Fertigkeiten zeigt dann wiederum, dass die Liste kürzer geworden ist. Es fehlen:

  • Ansehen
  • Astronomie
  • Biologie
  • Chemie
  • Feilschen
  • Fotografie
  • Geologie
  • Kampfsportart
  • Pharmazie
  • Physik
  • Pilot
  • Schleichen
  • Schusswaffen

Dafür sind neu hinzugekommen:

  • Charme
  • Einschüchtern
  • Finanzkraft
  • Naturwissenschaft
  • Steuern
  • Überlebenskunst
  • Werte schätzen

Einige Aspekte wurden also sinnvoll zusammengefasst oder umbenannt. Richtig aufgeräumt hat man mit der Feingranularität bei den Waffen, bzw. Kampfkünsten. Es wird nun nicht mehr eine unterschiedliche Fertigkeit z.B. zwischen Maschinenpistole und -gewehr oder im Nahkampf der Faustschlag, Kopfstoß, Fußtritt oder Ringen unterschieden. Neu sind die Kampffertigkeiten Nahkampf (Handgemenge), Fernkampf (Faustfeuerwaffe) und Fernkampf (Gewehr/Flinte). Weitere Leerzeilen lassen aber noch ein paar Optionen offen. Dies ist aus meiner Sicht ebenfalls eine gute Verbesserung, denn klassische Cthulhu Rollenspiele gehen bei Kämpfen kaum so weit ins Detail, als dass diese feinen Nuancen von Bedeutung wären.

Erwähnenswert ist die neue Fertigkeit Finanzkraft. Diese vereinfacht die Handhabung der Finanzmittel. War bislang für einen Charakter ein exaktes monatliches Einkommen zu ermitteln und ggf. eine Buchführung hinsichtlich der Einnahmen und Ausgaben zu betreiben, wird nun nur noch festgehalten, wie solvent ein Charakter ist. Damit fallen dann Entscheidungen, ob derjenige sich einen Kaffee oder ein Auto mal eben so leisten kann wesentlich einfacher.

Ebenfalls sehr hilfreich ist nun das Feld für die Angabe des Geburtsdatums, denn bei diversen Kampagnenartigen Runden entwickeln sich Charaktere über die Zeit in dem Maße weiter, dass auch einmal das Alter neu bestimmt werden muss und keine konstante Größe ist.

Über die geplante Crowdfunding Kampagne bei Startnext für die Neuauflage der “Berge des Wahnsins” konnte noch nicht viel Berichtet werden.

Cthulhu: Berge des Wahnsinns, Kampagnenband 1: Aufbruch in die Antarktis

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Die bisherigen Bände (“Aufbruch in die Antaktis“, “Die geheimnisvolle Stadt” und “Der dunkle Turm“) sind längst vergriffen und nur noch zu stolzen Sammlerpreisen zu erwerben. Die Neuauflage wird daher Sammler verärgern, Spieler hingegen erfreuen.

Wirklich neues gibt es für Cthulhu abgesehen von dem Gaslicht Band bei Pegasus allerdings nicht, denn sowohl die Kampagne um die Bestie wie auch die Berge des Wahnsinns sind nur Neuauflagen von bereits bestehendem Material. Schade eigentlich, denn tolle neue Abenteuerideen gibt es genug, wie das Team von Cthulhus Ruf ja zeigt.

Einen weiteren Stopp auf meiner Runde legte ich am Stand des Uhrwerk Verlags ein.

CONTACT Grundregelwerk: Das Taktische UFO-Rollenspiel (Contact / Das Taktische UFO-Rollenspiel)

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Für das Rollenspiel CONTACT konnte ich hier das neueste Abenteuer “Krater des Verderbens” erwerben und ganz kurz mit dem Autor plaudern. Bei CONTACT handelt es sich um ein recht komplexes Rollenspiel, das sich um eine Alien-Abwehreinheit dreht. Für Freunde der Computerspiele UFO – Enemy Unknown aus den 90er Jahren, UFO – Alien Invasion und X-COM ist dies genau das Richtige.

Und dann waren da noch die polnischen Hersteller von Wolsung Steampunk Skirmish Game. Das Tabletop Spiel hat mich schon eine Weile angelockt, kommt es doch auch mit recht schlanken Regeln daher, dafür aber schön gearbeitete Figuren und Objekten. Bei dem kurzen Spiel und den sehr ausführlichen Erläuterungen konnte ich mit viel Würfelglück überzeugen. Anders als bei Pen&Paper Rollenspielen wird bei Tabletops mit echten kleinen Figuren (“Zinnsoldaten”) gespielt. Jede Figur hat dabei bestimmte Fähigkeiten. Letztlich steht bei diesen Spielen jedoch der Kampf im Vordergrund, so auch bei Wolsung SSG. Verschiedene Parteien kämpfen auf dem Gelände gegeneinander und wer nach drei Runden die meisten Gegner vom Brett gefegt hat, hat gewonnen. Von einem Investment zu dieser Zeit haben mich aber zum einen die hohen Kosten (denn nur das Handbuch alleine reicht bei einem Tabletop Spiel nicht aus), zum anderen aber auch die erforderliche Zeit um die Figuren und Gebäude zu bemalen. Sollte ich aber einmal viel mehr Zeit zur Verfügung haben, dann ist dies sicherlich das Tabletop Spiel meiner Wahl.

Auf dem Mittelaltermarkt noch einen Burger verzehrt, der mich nicht ganz überzeugt hat und mich dann doch noch von einem Spieleentwickler anlocken lassen. Shadowrun Online ist eine Entwicklung aus Österreich. Aktuell ist das Spiel in Sinne einen Early Access (früher Zugang) erhältlich und beinhaltet vier kleine Missionen. Die Handhabung, bzw. Steuerung hier ist ähnlich zu X-COM, so dass ich schnell in das Spiel gefunden habe. Die Grafik ist gefällig die Überlebenschancen sind bescheiden. Angedacht ist das Spiel als sogenanntes MMO (Massive Multiplayer Online Game) bei dem viele Spieler zeitgleich mitmachen können. Kleinere Einzelspieler Kampagnen sind jedoch auch vorgesehen. In diesem frühen Stadium ist das Spiel schon vielversprechend. Ich bin gespannt, wie sich dieses entwickelt und ob vielleicht noch irgendwo ein paar Erste Hilfe Packs zu finden sein werden.

Damit habe ich nun auch die wesentlichen Punkte von meinem Rundgang erfasst. Natürlich gab es noch zahlreiche weitere Stände und Informationen, doch die für mich interessanten Themen sollten es damit zunächst gewesen sein. Jetzt brauche ich nur wieder Zeit und Gelegenheit zum Schmökern, aufbereiten und Spielleiten – zum Beispiel auf der FeenCon.

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