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Sterne als Bewertungseinheit bei Rezensionen

Mein neuer Bewertungsansatz

Mein neuer Bewertungsansatz

Meine Rezensionen werde ich weiterhin textuell möglichst ausführlich erfassen. Ähnlich wie bei Arbeitszeugnissen ist dabei die Länge der Rezension durchaus schon ein Kriterium dafür, wie gut das Werk ist. Dennoch werde ich auch weiterhin ein Ranking vornehmen, jedoch in veränderter Art und Weise.

Für mich muss eine Skala bei null als kleinstem (schlechtesten) Wert beginnen und idealerweise eine gerade Anzahl an Stufen (also keine Mitte) bieten. Diese Konstellation widerspricht jedoch leider den gebräuchlichen Skalen, die z.B. von null bis 10 gehen (das sind elf Werte). Wenn ein Produkt schlecht ist, dann sollte, oder braucht keine weitere Differenzierung erfolgen, dann gibt es einfach keinen Stern. Für diejenigen Produkte hingegen, die eines (oder mehrerer) Sterne würdig sind (wobei ein Stern schon eine Empfehlung darstellt), sollte eine genaue Darstellung erfolgen, warum welcher Wert gegeben wurde.

Für Bücher habe ich in dem Formular oben nun die Grundeinstellungen hinterlegt, wie ich denke, dass ein Sternchenrating unter diesen Gesichtspunkten aussehen kann (oder sollte). Dabei vergebe ich in den sechs Kategorien jeweils null bis zwei Punkte.

Kategorie /
Gewichtung
0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte
Cover
3 %
Ein vermutlich liebloses, kostenloses Stockartfoto oder mit Photoshop und Co. schlampig bearbeitetes Titelbild – wenn denn überhaupt ein Bild auf dem Cover existiert. Ein gewöhnliches Bild, wenig aussagekräftig, möglicherweise gar ohne nachvollziehbaren Bezug mit dem Inhalt des Werks. Das Cover alleine hat zum Kauf des Buchs schon überzeugt. Es ist zeitgemäß und passend zum Werk.
Verarbeitung
(nicht bei Hörbüchern)
4 %
Print: Das Werk fällt während der ersten Lektüre bereits auseinander (Klebebindung), wird sehr fleckig oder die Laminierung des Umschlags löst sich auf.

E-Book: Die Schriftgröße lässt sich nicht sauber anpassen oder das Buch lässt sich auf einem gängigen E-Book Reader nicht öffnen.

Das Buch hält den üblichen Erwartungen stand, fällt damit insbesondere nicht auseinander. Das Papier ist angenehm zu handhaben.

E-Book: Das E-Book funktioniert auf gängigen E-Book Readern, erfüllt jedoch nicht alle Anforderungen des Lesekomforts.

Print: Bei sachgemäßer Handhabung sieht das Buch nach der Lektüre noch aus wie neu. Der Druck ist sauber, das Papier von angenehmer Helligkeit und Stärke.

E-Book: Die Schriftart ist optimal für die gängigen Lesegeräte ausgelegt und lässt sich “stufenlos” in der Größe anpassen. Ein Coverbild ist im Buch integriert.

Fehler
(nicht bei Hörbüchern)
9 %
Das Werk strotzt nur vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern, möglicherweise wurde auch nachlässig übersetzt. Das Lesevergnügen ist sehr beeinträchtigt. Hier und da sind Tipp- oder Rechtschreibfehler zu finden. Die Zahl hält sich in Grenzen und stören das Lesevergnügen nicht übermäßig. Keine Fehler in der Rechtschreibung oder Grammatik gefunden; das Korrektorat hat ganze Arbeit geleistet.
Layout
(nicht bei Hörbüchern)
9 %
Die Schriftart, -größe, der Schriftsatz oder generell das Layout sind eine Katastrophe. Bilder und Referenzen sind falsch platziert, die Schrift ist durch übertriebene Hintergrundgestaltung nur schwer zu erkennen und/oder leere Seiten befinden sich im Werk. Die Schriftart ist zu klein (oder zu groß), einzelne Fehler im Layout sind zwar vorhanden, stören das Lesevergnügen hingegen nicht. Das Layout des Werks ist gelungen, passt zum Inhalt, unterstützt ggf. den Lesefluss aktiv und ist insgesamt eine Augenweide.
Sprecher
(nur bei Hörbüchern)
22 %
Der Sprecher/die Sprecherin ist unausgebildet oder unpassend, spricht monoton oder emotionslos – oder gänzlich übertrieben. Der Hörgenuss ist anstrengend, kein Vergnügen oder man kann dem Werk nicht folgen. Der Sprecher oder die Sprecherin lesen das Buch gut vor. Die Sprecherin/der Sprecher liest das Werk phantastisch vor. Man kann in allen Punkten folgen und möchte die Wiedergabe nicht unterbrechen. Eine angenehme Tonlage und Betonung machen das Buch zu einem Hörgenuss.
Sprache
15 %
Martin Luther hatte eine größeren Wortschatz als der Autor. Regelmäßige Wiederholungen von Begriffen, ausufernde Verwendung von Umgangssprache, komplexer Satzbau, der mehrfaches Neuansetzen erforderlich macht. Gelegentlich werden Floskeln verwendet, aber insgesamt zeigt der Autor, dass er sowohl einen großen Wortschatz bedienen kann, als auch Satzkonstruktionen beherrscht, die einen vorwiegend gelungenen Lesefluss ermöglichen. Die Lektüre ist ein Genuss. Die Wortwahl ist angenehm, abwechslungsreich und von guter deutscher Sprache. Autor und Lektorat verstehen ihr schriftstellerisches Handwerk.
Handlung/Inhalt
60 %
teilt sich auf in:
– Originalität
– Nachvollziehbarkeit
– Spannung und
– Schluss
Die Story ist hanebüchen, langatmig bis langweilig, nicht nachvollziehbar und in keiner Weise originell. Die Lektüre gestaltete sich zur Qual. Die Geschichte war nicht neu oder besonders überzeugend. Es handelte sich um bessere bis gute Popcornliteratur, oder trotz besonderer Ideen hatte das Werk partiell mit deutlichen Schwächen zu kämpfen. Der Abschluss war unoriginell und passte nicht zum Werk. Die Story hat überzeugt, war spannend und fesselnd bis zur letzten Seite, wartete mit besonderen Wendungen und Kniffen auf und war insgesamt originell bis wegweisend.

Mit der Vergabe von maximal zwei Punkten komme ich nicht in das Dilemma mich haarklein mit den Details auseinandersetzen zu müssen und den dritten Rechtschreibfehler mit der tollen Wendung in der Story verrechnen zu müssen. Die Gewichtung der einzelnen Kategorien ist so gewählt, dass es ohne geeignete Story nicht geht, die beste Geschichte ohne geeignete Verpackung oder Verarbeitung das Werk auch nicht rettet.

Das Ergebnis wird dann wie gewohnt auf die null bis maximal 4 Sterne gestreckt (Amazon/Google Pendant: 1 bis 5 Sterne). Und so sieht es dann zukünftig bei meinen Rezensionen aus.

TitelGrabesruh
AutorJim Butcher
OriginaltitelGrave Peril
ReiheDie dunklen Fälle des Harry Dresden (Band 3)
VerlagFeder & Schwert
Seiten448
ISBN-10
ISBN-13
3867621136
978-3867621137
Preis12,99 €
Online bestellen
als Buch bei Amazonkommerzieller Link
als E-Book beiAmazonkommerzieller Link
Meine Einschätzung
Inhalt (60 %)bronze
 - Spannung (63 %) bronze
 - Originalität (19 %) silber
 - Nachvollziehbarkeit (19 %) silber
Sprache (15 %)gold
Layout (9 %)silber
Fehler (9 %)gold
Verarbeitung (4 %)gold
Cover (3 %)silber
Gesamtbewertung1.8 / 4 = 45.3 %

bedingte Empfehlung
Skala: 0 - 4 Sterne mehr dazu
Amazon Äquivalent: 3.4 Sterne
Fazit Unterhaltung, wie man sie bei Harry Dresden gewohnt ist.

Ja, ich bin also wieder bei den Sternen gelandet und ja, es gibt sogar gebrochene Sterne (weil’s technisch machbar ist und mich in der Implementierung gerade gereizt hat), aber irgendeine Form der vergleichbarmachenden Bewertung bedarf es wohl, wenngleich ich weiß, dass es viele Leser gibt, die nur auf die Sternchen schauen und dann wieder weg sind. Die detaillierte Rezension wird dann nicht gelesen und wenn das Produkt nicht seine fünf Sterne hat, dann wird es auch nicht gekauft. Das ist dann halt das Risiko. Dafür ist allerdings nachvollziehbar, wie es zu der Bewertung gekommen ist.

Nachteil: Wenn der Autor wirklich Mist gebaut hat, alle anderen Beteiligten (Korrektor, Layouter, Drucker, etc.), kann sich rechnerisch doch noch ein Stern ergeben. Allerdings ist mir ein solcher Fall bislang nur ein mal vorgekommen. Durch die Detaillierung wird das dann allerdings immer noch ersichtlich und es steht mir ja frei im Fazit darauf noch einmal explizit hinzuweisen.

Im anderen Fall, wenn der Autor ein großartiges Werk abgeliefert hat, der Verlag allerdings sein Bestes gegeben hat um das Produkt zu vergeigen, kommen rechnerisch immer noch drei Sterne dabei herum.

Für die bereits vorbereiteten Rezensionen habe ich das neue System bereits angewandt. Mal sehen, ob und wie es sich bewährt. Ich beobachte zudem mit Interesse noch die Anregungen aus der Diskussion aus der Follow Friday Blogaktion zu diesem Thema. Sicherlich sind da auch noch eine ganze Reihe an Ideen dabei.

4 Kommentare

  1. Hui. Was für ein ausführlicher Artikel und was für ein interessanter Ansatz!
    Ich selbst rezensiere ja nicht, aber wow. Eine Rezension, die nach diesen Kriterien verfasst ist, hat meines Erachtens nach absolut Hand und Fuß. Sehr cool!

  2. Holla die Waldfee, das war jetzt aber ein Stück zum Lesen *lach*
    Aber absolut toll geschrieben. Die Verbindung von Hotel und Küche zur Rezension hab ich persönlich noch nie gezogen, aber im Hinblick auf Sternebewertung, ein sehr interessanter Ansatz.
    Ich merke schon, so einige legen in ihren Rezensionen Kriterien dar, die ich im Grunde gar nicht SO sehr einfließen lasse. Zwar werden die durchaus bemerkt, wie Cover, Fehlervorkommen etc. und an entsprechender Stelle dann auch mitgeteilt, aber in der Rezension selbst findet man die nicht unbedingt. Zumindest nicht explizit mit Sternen (welcher Art auch immer) bewertet.

    Ist schon interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Leute die Sternevergabe betrachten. Und das mein ich jetzt absolut postiv.

    Beste Grüße
    Vi @Inkvotary

    1. Hallo Vi,

      danke für Dein Feedback.

      Dass der Bezug zu den Hotel- und Restaurantbewertungen nicht gezogen wurde, überrascht mich wirklich. Vielleicht ist das auch in den Branchen heute nicht mehr so relevant.

      Interessant ist die unterschiedliche Sichtweise wahrlich, wenngleich dies dann (zumindest bei mir im Rahmen dieser Diskussion) auch die Frage aufwirft, wie vergleichbar dann die einzelnen Einschätzungen sind. Letztlich bleibt dann nur das geschriebene Wort der Rezension, bei der dann die Begründung für die jeweilige Bewertung mitgeliefert wird.

      Schönen Gruß,

      Michael

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