Kleine Pen&Paper Einsteiger FAQ

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Kurz vor dem Jahreswechsel durfte ich einem Rollenspiel-Neuling, der sich im Selbststudium an das Thema herangearbeitet hat, ein paar Fragen beantworten. Die Fragen waren für einen “alten Hasen” eher überraschend und doch interessant, sodass ich sie hier noch einmal wiedergebe, natürlich mit meinen Antworten dazu.

Als System seiner Wahl hatte er sich Splittermondkommerzieller Link ausgesucht, eine vergleichsweise junges, deutschsprachiges Fantasy-Rollenspiel. Doch nach der ersten Lektüre des Regelwerks sind dann doch noch ein paar Fragen offen geblieben, die allerdings mit dem System selber eher wenig zu tun haben. Ich selber bin mit Splittermond regeltechnisch nicht vertraut, aber die Fragen haben dann in vielen Fällen doch eher weniger mit dem System selber zu tun.

Also angefangen bei den Würfeln … hört sich blöd an, aber ich hab 7 Würfel gekauft, weiß aber nicht was es damit auf sich hat.

Also, die Würfel benötigt ihr für die sogenannten Proben. Wenn also ein Charakter, das ist eine Spielfigur im Rollenspiel, etwas machen möchte, was nicht unbedingt trivial ist (z.B. eine Wand hochklettern), dann wird eine Probe fällig. Dass heißt, der Spieler würfelt und versucht einen Wert zu erzielen, der einer passenden Fertigkeit auf seinem Charakterbogen (z.B. Klettern) entspricht. Gelingt ihm dies, war die Probe erfolgreich und die Wand konnte erklommen werden. Schafft er die Probe nicht, tja, dann passieren ggf. schlimme Dinge. Das kann bedeuten, dass er abrutscht und es ihm nicht gelingt die Wand zu erklimmen, oder er schafft es, hat sich dabei aber die Finger blutig gemacht, sodass ihm nachfolgende filigrane Tätigkeiten erschwert werden.

Über den Einsatz entscheidet der Spielleiter. Als Faustregel gilt, dass die Würfel zum Einsatz kommen, wenn etwas gemacht werden muss, was auch schief gehen kann. Oder natürlich in Kampfsituationen, aber da kann bekanntlich auch viel schief gehen.

Okay aber wie weiß ich, wann ich welchen Würfel nutzen muss?

Das entscheidest Du als Spielleiter, bzw. geben die Regeln vor. In vielen Rollenspielen wird der klassische Satz an Würfeln überhaupt nicht verwendet, sondern nur eine Auswahl davon. Schau einfach mal in das Regelwerk unter dem Stichwort “Proben” nach. Dort steht beschrieben, wie das funktioniert und welche Würfel eingesetzt werden sollen. Jedes Rollenspiel hat da andere Vorgaben, sodass das nicht pauschal beantwortet werden kann.

Es macht übrigens Sinn, wenn mindestens zwei Sätze an Würfeln vorliegen, also ein Satz für den SL, und ein Satz für die Spieler. Üblicherweise hat jeder Spieler seine eigenen Würfel. Aber bei einer Proberunde ist das nicht so entscheidend.

Ich höre viel/lese viel von “Spielrunden” im Internet, was genau bedeutet eine Runde hierbei?

Eine Spielrunde kann mehrere Bedeutngen haben: a) eine feste Gruppe an Spielern, die sich regelmäßig zu spielen treffen, häufiger jedoch b) ein Spielabend/-nachmittag bei der ein Abenteuer gespielt wird. Das Abenteuer muss dabei nicht zwingend bei dem Treffen abgeschlossen werden, es kann also auch sein, dass für ein Abenteuer mehrere Runden erforderlich werden.

 

Für die anderen Fragen schicke ich mal etwas vorweg: Rollenspiel ist ein SPIEL und soll damit insbesondere den Spielern (inkl. des Spielleiters) Spaß machen. Die Regeln sind dabei nicht immer in Stein gemeißelt, sondern können dem eigentlichen Ziel (Spielspaß) entsprechend durchaus angepasst werden, wenn die Gruppe damit einverstanden ist (Stichwort: Hausregeln, Gruppenvertrag).

Kann man, wenn ich z. B. die Welt von Splittermond als Vorlage nehme, um mir z. B. nicht komplette Orte und Kreaturen usw. selber ausdenken zu müssen, das ohne weiteres vereinfachen?

Du kannst die Spielwelten nach Deinen Wünschen gerne anpassen und in Deiner Gruppe verwenden. Es sollte dabei nur beachtet werden, dass ihr euch damit ggf. vom “Kanon” entfernt, also später einmal auf Abenteuer oder Elemente stoßt, die mit eurer angepassten Welt nicht mehr kompatibel sind. Das gilt auch für die Regeln: Wenn diese geändert werden, kann dies bei Spielen mit anderen zu Verwirrung führen. Aber letztlich ist es euer Spiel, euer eigenes Abenteuer und eure eigene Welt in der ihr euch bewegt.

Sterben Charaktere im Spiel und wenn das passiert, was passiert mit dem Spieler? Ist der dann raus?
Gibt es Heiler? Oder ist das individuell einbaubar?

Stirbt ein Charakter, dann muss natürlich auch der Spieler beseitigt werden. Darum liegt jeder Starterbox auch ein zum Setting passendes Objekt wie Dolch, Pistole oder Laserschwert bei. 😉

Nein, so ist es natürlich nicht! Also, in den meisten Systemen gibt es auch medizinische Fachkenntnisse, sodass einem angeschlagenen Charakter wieder auf die Beine geholfen werden kann. Ist der Charakter allerdings tot, dann war es das allerdings üblicherweise.

Der Charaktertod sollte allerdings nicht leichtfertig provoziert werden, also indem der Bossgegner bereits in den ersten 10 Minuten der Spielrunde auftaucht und die halbe Mannschaft niedermetzelt. Sowas hebt man sich dann besser für das Ende auf, wenn die Spieler die Möglichkeit hatten ihre Charaktere entsprechend zu entwickeln und auszurüsten. Auch hängt das ein wenig davon ab, ob es nur ein einzelnes Abenteuer sein soll (ein sogenannter One-Shot) oder das Spiel in eine Kampagne (zahlreiche aufeinander aufbauende Abenteuer über eine langen Zeitraum) übergehen soll.

Es gibt durchaus Systeme (z.B. Cthulhu), bei denen es nicht ungewöhnlich ist, wenn die Charaktere am Ende der Runde sterben (oder wahnsinnig werden). Bei normalen Fantasy Abenteuern sollten die Charaktere aber die Helden der Geschichte sein, also eine herausfordernde Aufgabe haben, die sie durchaus mit Anstrengung be- oder überstehen oder einen epischen Tod haben. Ein bisschen Hollywood darf im Kopfkino durchaus Einzug erhalten.

Ergo: Es ist unschön, wenn mitten im Abenteuer einer der Charaktere stirbt und sein Spieler dann ausscheiden muss. Mit etwas Geschick kann man dann einen Ersatzcharakter einbinden, sodass der Spieler wieder dabei sein kann.

Die Werte, die die Charaktere haben sind sehr viele. Kann ich das auf ein paar Werte reduzieren, wie Stärke, Ausdauer und Glück und vielleicht noch ein paar Wenige?

Natürlich kannst Du auch die Anzahl der Werte der Charaktere reduzieren, aber das ist dann schon eine tiefer Eingriff in das System. Faktisch kommen eh nie alle Werte zu Einsatz.

Vielleicht ist es aber auch eine Option zunächst ein einfacheres System für das Spiel zu verwenden, das von sich aus schon mit einer geringeren Anzahl an Werten daher kommt. So ein Mix (Charaktere & Regeln von System A in der Welt von System B zu verwenden kommt nicht selten vor. Ein regeltechnisch schlankeres System (und auch ein schlankerer Charakterbogen) ist zum Beispiel Savage Worlds.

Ich würde auch gerne ein paar Kreaturen raussuchen um diese parat zu haben mit ein paar vorbereiteten Werten, nehme an das ist sinnvoll, gibt es da bestimmte Anlaufstellen im Internet? Zu Splittermond fand ich einige Monster in den fertigen Spielvarianten die es dort auf der Seite gibt. Die kann ich mir zwar rauspicken einzeln, aber es ist leider nicht kategorisch geordnet oder überhaupt geordnet.

Kreaturen sind (wie die Welt) oftmals in der Hoheit des Verlags. Natürlich steht es Dir frei, Dir selber Wesen und Welten auszudenken, aber in der Regel findest Du diese fertig ausgearbeitet dann doch ausschließlich in den offiziellen Publikationen.

Sich ein paar Kreaturen herauszusuchen und vorzubereiten ist keinesfalls ein Fehler, eher sogar angeraten. In der Praxis hat es sich allerdings bewährt, wenn man hier nicht übertreibt, will sagen, weniger ist mehr: Lieber nur ein oder zwei unterschiedliche Kreaturen in eine Runde einbinden, als einen ganzen Zoo. Die Story entwickelt sich so besser. Wollt ihr hingegen eher einen Dungeon Crawler spielen, dann ist das natürlich etwas anderes und da sollte dann in jeder Kammer ein anderes Wesen stecken 😉

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