Lovecraft

Bild: © OpenClipart-Vectors / Pixabay (modifiziert)

Das Ritual – Encyclopaedia Necronomica und Lovecrafter #0

Lesezeit etwa 7 Minuten

Essen, Unperfekthaus am 25. September 2016. Die Deutsche Lovecraft Gesellschaft (dLG) hatte zum Ritual geladen, einer Veranstaltung zur würdigen Präsentation der neuen Vereinszeitschrift “Lovecrafter” und einem der Förderprojekte, der Encyclopaedia Necronomica. Rund 40 Gäste waren dem Ruf gefolgt – so auch ich – und drei Stunden Programm später habe ich es nicht bereut. Außerdem konnte ich sowohl die Nullnummer des neuen Vereinsmagazins mitnehmen, als auch mein vorbestelltes Exemplar der lovecraftschen Enzyklopädie.

Drei Programmpunkte hatte sich das Team der Deutschen Lovecraft Gesellschaft vorgenommen und so tummelten sich unter der Moderation von Axel Weiß zunächst einige Mitarbeiter der neuen Vereinszeitschrift auf der Bühne und präsentierten die erste Ausgabe.

Im zweiten Tagesordnungspunkt durfte dann Philipp Herrmann auf die Bühne, der das exklusive Buch Encyclopaedia Necronomica produziert hatte und nahezu fristgerecht präsentieren konnte. Aus seiner Master Thesis heraus war dieses Werk entstanden, das auf 164 Seiten einen optisch sehr ansprechenden Überblick über den Autor Howard Philips Lovecraft, seine Werke und die Folgen bietet. Doch wesentlich bemerkenswerter ist die aufwändige Gestaltung des Buchs, das ohne rechte Winkel auskommt um dem nichteuklidischen Anspruch Lovecrafts gerecht zu werden und im Innern auch noch zwei große Übersichtsposter beinhaltet. Das Werk war im vergangenen Jahr in einer Kickstarter Kampagne finanziert worden und hatte dabei die kühnsten Erwartungen des Schöpfers übertroffen.

Vorstand der Deutschen Lovecraft Gesellschaft auf dem Ritual 2016 (Marc Meiburg, Volker Rattel und Clemens Williges)
Vorstand der Deutschen Lovecraft Gesellschaft auf dem Ritual 2016 (Marc Meiburg, Volker Rattel und Clemens Williges)

Für diejenigen, die die limitierte Fassung verpasst haben oder denen der Preis zu hoch war, hatte Philipp Herrmann eine vielversprechende Aussage in petto, denn voraussichtlich wird das Buch auch noch einmal in einer regulären Fassung erscheinen. Dann allerdings nicht in dieser aufwändigen Gestaltung. Eine englischsprachige Fassung könnte darüber hinaus auch noch folgen, da sich zahlreiche Interessenten aus Übersee bereits gemeldet hatten.

Interessant war auch die dritte Runde, die an diesem Tag die Bühne betrat. Axel Weiß bat seinen Podcast Kollegen Mirko Stauch, Daniel Neugebauer, Clemens Williges und noch einmal den Künstler Philipp Herrmann auf die Bühne. Jeder war als Vertreter seines Fachgebiets aufgefordert zum Thema 90 Jahre Cthulhu zu diskutieren, was einen äußerst interessanten Überblick über Lovecrafts Werke in Kunst, Literatur, Film und Rollenspiel mit sich brachte. Besonders Mirko Stauch, bekannt von den Arkham Insiders, überzeugte mich hier durch sein unglaublich tiefgreifendes Wissen über Leben und Werk von H. P. Lovecraft. Insgesamt sicherlich das Highlight der Veranstaltung im Saal des Unperfekthauses in Essen.

Das Unperfekthaus ist eine äußerst interessanten Lokation mit Getränkeflatrate, nicht nur für Künstler und Kreative, die ich mir in näherer Lokation wünschte und nicht minder euklidisch verwinkelt ist, als es für eine solche Veranstaltung angeraten wäre. Unter den Gästen im dunklen Saal waren zahlreiche “alte” Bekannte, die bereits im August auf der Deutschen CthulhuCon/Anrufung anzutreffen waren. Sicherlich mehr als die Hälfte der Anwesenden bekannten sich nicht Mitglieder der Deutschen Lovecraft Gesellschaft und nicht wenige konnten im Anschluss an die Veranstaltung beim Ausfüllen des Mitgliedsantrags beobachtet werden.

Lovecrafter #0

Der Lovecrafter tritt als Vereinszeitschrift der Deutschen Lovecraft Gesellschaft ein schweres Erbe an, denn das “Vorgänger” Magazin Cthulhus Ruf, das einen Schwerpunkt auf das Rollenspiel Cthulhu gelegt hatte, hatte durchaus hohe Qualitätsstandards gesetzt. Der Lovecrafter setzt sich von Cthulhus Ruf nun in mehrerlei Hinsicht ab. Am deutlichsten wird dies alleine schon durch das Format, denn war Cthulhus Ruf noch im DIN A4 Format erschienen, ist der Lovecrafter nur noch halb so groß. Das neue Format ist eine kleine Hommage an die Pulp Magazine, in denen auf H.P. Lovecraft ursprünglich seine Werke veröffentlich hat. 56 Innenseiten bringt das Heft im Vierfarbdruck mit sich und setzt sich mich den farbigen Abbildungen ebenfalls noch einmal von den 10 Ausgaben von Cthulhus Ruf ab.

Inhaltlich umfasst das Magazin mehrere Interviews (mit Philipp Herrmann und Vertretern des Golkonda Verlags), einem Rückblick auf die Gatsby-Party 2016, einem Beitrag zu H. P. Lovecraft als “Autor verstaubter Horrorgeschichten” und auf 18 Seiten ein Abenteuer für das Rollenspiel Cthulhu.

Das Interview mit Philipp Herrmann gibt noch einmal einen sehr detaillierten Überblick über die Entstehung seines Werks, den Kickstarter und einige Hintergrundinformationen über den Schriftsteller Lovecraft, wobei auch um das Thema Lovecraft, der Rassist kein Bogen gemacht wird. Spannender sind allerdings die Themen, die sich mit dem Thema Bildrechten und Recherchen befassen. Mit einem Schmunzeln erkennt man möglicherweise auch, dass das Interview in nichteuklidischen Winkeln gesetzt wurde und damit der Form des Buchs von Philipp Herrmann entspricht.

Das Abenteuer im Hansen Haus ist ein kleines Kammerspiel für fünf Personen. Die ehemaligen Freunde und Kommilitonen treffen sich nach einigen Jahren in einem Ferienhaus an der Küste wieder um dort die Silvesternacht gemeinsam zu verbringen. Detaillierter auf die Begebenheiten einzugehen macht wenig Sinn, bzw. würde zu sehr spoilern. Das Spiel ist weniger investigativ, wie es konventionelle Cthulhu Abenteuer sind. Dafür kann es allerdings psychisch sehr nahegehen, wenn im Spiel nach und nach dunkle, persönliche Geheimnisse aufgedeckt werden.

Der Bericht über die Gatsby-Party ist im Stile einer Befragung eines psychisch kranken Beteiligten der Veranstaltung geschrieben. Hierdurch wird der Bericht leider etwas konfus und möglicherweise nur für Beteiligte des Events verständlich. Allerdings birgt ein detaillierterer Bericht dann wiederum die Gefahr von zu großen Spoilern.

Insgesamt ist der Lovecrafter ein qualitativ hochwertiges Magazin mit Potenzial. Dass der Umfang des Hefts auf durchaus das Doppelte anwachsen könnte, hatte der Layouter Marc Meiburg im Rahmen der Präsentation bereits erwähnt. Optisch und inhaltlich setzt es sich klar von Cthulhus Ruf ab, das ein Magazin war, dass sich rein an Rollenspieler gerichtet hat. Nun liegt der Schwerpunkt auf das Gesamtwerk Lovecrafts und die medialen Folgen. Anvisiert ist eine halbjährige Erscheinungsweise, wobei Mitglieder der dLG das Magazin frei Haus erhalten. Andere Interessierte erhalten das Heft über den Cthulhu Webshop. Weitere Informationen zum Lovecrafter finden sich auch auf den Webseiten der Deutschen Lovecraft Gesellschaft.

Encyclopaedia Necronomica

Präsentation eines Posters aus der Ecyclopaedia Necronomicaa
Präsentation eines Posters aus der Ecyclopaedia Necronomica
Philipp Herrmanns Buch Encyclopaedia Necronomica ist definitiv keine Lovecraft Enzyklopädie und erhebt auch nicht den Anspruch eine solche zu sein. Dennoch ist das Buch als ein Teil seiner Master Thesis eine äußerst interessante Lektüre, die einen kompakten Überblick über H. P. Lovecraft und fünf seiner bedeutendsten Werke gibt. Besonders erwähnenswert ist der strukturierte Ansatz, den Herrmann hier gewählt hat um die Verflechtungen im Cthulhu Mythos aufzuzeigen und damit auch die public domain-artige Herangehensweise von Lovecraft, der anderen Autoren freigestellt hat sich seiner Schöpfungen zu bedienen, aber sich auch selber bei anderen Autoren bedient hat.

Optisch ist das Werk ein Hingucker, nicht alleine nur durch die schiefen Winkel, die so nur in Handarbeit möglich waren. Auf dem Kunstlederdeckel prangt ein goldgeprägtes großes Tentakeldesign aus der Hand des Künstlers. Die Innenseiten sind auf starkem Papier gedruckt und mit unzähligen weiteren Illustrationen des Autors versehen, die besonderer Hingucker sind und teilweise aus der Not heraus entstanden sind, dass die Rechte für die originalen Bilder nicht oder nur unter größtem Aufwand zu beschaffen gewesen wären. Letztlich hat das Buch hierdurch nur profitiert.

Auf den knapp 160 Seiten wird ein Einblick in das Leben von H. P. Lovecraft gegeben, ein Überblick in die aus seinen Werken resultierende Popkultur (Filme, Musik, Literatur, aber auch im Spiel). Sicherlich ist dies nicht allumfassend realisierbar, doch alle aus meiner Sicht bedeutenden Werke sind hier zu finden. Besonders interessant ist in meinen Augen allerdings das Kapitel um die Historie, die sich mit Lovecraft Country, Providence und Co. befasst. Landkarten, Zeittafeln und Fotos geben hier einen Einblick in die Gegebenheiten um 1922 und den Mythos an und für sich. Sicherlich nichts, was erfahrenen Cthulhu Rollenspielern neu ist, doch gerade für diejenigen, die Lovecraft als Leser entdecken besonders hilfreich.

Die zweite Hälfte des Werks befasst sich mit einzelnen Werken des Autors. Dies sind “The Call of Cthulhu”, “The Whisperer in Darkness”, “At the Mountains of Madness”, “The Shadow over Innsmouth” und “The Shadow out of Time”. Jeder dieser Texte wird hier aufgearbeitet mit Hintergrundinformationen, herausragenden Zeichnungen und Einordnungen im Gesamtkontext des Mythos. Eine äußerst gelungene Handhabung des Themas ohne auch nur ansatzweise episch oder trocken zu wirken.

Die Auflage beläuft sich auf 152 Exemplare und einige Restexemplare dürften noch erhältlich sein.

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