Alte Steckdosen

Bild: © LoggaWiggler / Pixabay (modifiziert)

Strom sparen

Lesezeit etwa 7 Minuten

Die Energiekosten in den Griff bekommen

Die Ausgangslage - 2007

Im Dezember 2007 wohnten wir nun schon ein gutes Jahr in der neuen Wohnung und hatten uns in den vergangenen Monaten nach und nach eingerichtet und aus zwei Haushalten einen gemeinsamen gemacht. Wir, das sind zwei Personen auf rund 90 m².

Ein Blick auf eine Vergleichsseite im Internet machten den Wechsel des Stromanbieters schmackhaft, denn bei dem zu erwartenden Stromverbrauch für einen 2-Personen Haushalt konnte man gut 150 - 200 € im Jahr sparen. Also schnell das Auftragsformular ausgefüllt und ab Dezember nur noch 14,9 ct/kWh zahlen.

Als dann im November die Abrechnung kam und der örtliche Anbieter noch eine kräftige Nachzahlung forderte, wurde es Zeit sich doch noch einmal intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen um weitere Nachzahlungen zu vermeiden und richtig Strom zu sparen.

Bei dem Einzug vor einem Jahr ging alles sehr schnell und so wurde nicht lange gesucht, sondern für die Stromlieferung der örtliche Anbieter gewählt. Dass dies nicht unbedingt die wirtschaftlich günstigste Wahl war, stellte sich schon recht schnell heraus, doch ohne einen rechten Überblick, wieviel Strom man verbrauchen wird, ist jede Wahl ungünstig. Nach nun knapp einem Jahr hatten wir genügend Strom verbraucht um verlässliche Zahlen zu haben und eine Prognose für den Jahresstromverbrauch anzustreben. Ging man im Internet bei einem 2-Personen Haushalt von einem Verbrauch von ca. 2.400 kWh im Jahr aus, so kamen wir nach erster Hochrechnung auf über 3.350 kWh. Dies sind dann statt 358 € rund 492 € im Jahr. Wie konnte das sein?

Schon beim Einzug hatte ich Wert darauf gelegt, dass alle Lampen von Anfang an mit Energiesparbirnen ausgestattet sind und die offensichtlichen Stromverbraucher (300W-Deckenfluter...) waren aus der Wohnung verbannt worden. Auch Fernseher und Stereoanlage waren an eine Master-Slave-Steckdosenleiste geschaltet worden, so dass hier im Stand-By Modus eigentlich kein maßgeblicher Strom mehr verbraucht werden sollte. Und Haushaltsgroßgeräte? Ein älterer Kühlschrank mit Gefrierteil, ein nagelneuer Geschirrspüler mit höchster Energieeffizienzklasse, ein Elektroherd und eine Waschmaschiene - mehr gab es in der Wohnung nicht. Woher also dieser Stromverbrauch?

Die Suche nach den Stromfressern...

Die Messung

Brennenstuhl Primera-Line Energiemessgerät PM 231 E (Strommessgerät mit Kinderschutz, Energiekostengerät mit 2 individuell einstellbaren Stromtarifen)

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Kurzfristig kaufte ich für rund 10 € im Baumarkt einen Stromverbrauchsmeßgerät. Dieses kleine Gerät besitzt eine Steckdose und einen Stecker und wird damit zwischen Steckdose in der Wand und dem zu messenden Stromverbraucher (z.B. Kühlschrank) geschaltet. Auf einem Display lassen sich dann einfach die Leistungsaufnahme, der Stromverbrauch und nach entsprechender Konfiguration auch die Stromkosten des jeweiligen Geräts ablesen.

An einem Abend wurden nun alle Geräte nacheinander durchgemessen und die Ergebnisse in einer Tabelle erfasst. Bei einigen Geräten konnte ich schnell feststellen, dass die Messung nicht einfach ist, da die Werte sehr stark schwanken. Bei einem Kühlschrank ist z.B. zu beachten, dass der Kompressor nicht die ganze Zeit läuft und damit phasenweise unterschiedlich viel Strom benötigt wird. Aber für einen ersten Überblick sollte diese Schnellmessung einmal reichen - und das tat sie auch!

Der Stromverbraucher Nummer 1 war nach dieser Liste der Kühlschrank. Um dies jedoch noch einmal zu verifizieren unternahm ich eine Langzeitmessung, bei der ich das Meßgerät über 24 Stunden zwischen Kühlschrank und Steckdose lies. Das Ergebnis war niederschmetternd, denn im Vergleich zu modernen Geräten, die im Internet mit einem Verbrauch von ca. 0,85 kWh pro Tag angegeben wurden, zog das alte Schätzchen rund 2,8 kWh pro Tag. Bei dem zum Messzeitpunk gültigen Tarif von 14,9 ct/kWh bedeutet dies Mehrkosten von rund 106 € pro Jahr (1,95 KWh * 0,149 € * 365 Tage).

In der Liste folgten weitere Übeltäter, die zwar einen hohen Stromverbrauch haben, aber dafür nur kurzzeitig genutzt werden, z.B. Toaster, Mikrowelle, Dunstabzugshaube, Beamer, Spielkonsole, Staubsauger, etc. Wo Toaster, Dunstabzugshaube und Mikrowelle jedoch eine geeignete Abschaltung haben (Stromverbrauch im Leerlauf nahezu oder gar gleich 0 Watt), liefen die Spielkonsole oder der Beamer bei Nichtbenutzung im Stand-By Betrieb.

Im Stand-By Betrieb sind die Geräte zwar für den Nutzer scheinbar ausgeschaltet, lassen sich aber über eine Fernbedienung komfortabel wieder einschalten. Der Nachteil ist jedoch, dass die Geräte, um immer auf Empfang für das Signal der Fernbedienung sein zu können, immer eine kleine Menge Strom benötigen. Bei einem einzelnen Elektrogerät ist dies nicht das Problem, doch bei der mittlerweile großen Zahl an Stand-By Geräten sumiert sich dies schnell auf.

Eine beispielhafte Liste von Geräten mit Stand-By Betrieb: Fernseher, Stereoanlage, DVD-Player, Receiver (Kabel/Satellit, DVB-T), Faxgerät, Drucker, Spielkonsole, Computerbildschirm, etc. Alleine diese Liste umfasst nun 8 Geräte, die im Stand-By Betrieb im Schnitt rund 5 Watt verbrauchen. In Summe also 40 Watt (pro Tag: 24 Stunden * 40 Watt / 1000 = 0,96 kWh) und damit so viel wie eine Glühbirne für z.B. eine Schreibtischbeleuchtung und damit sogar mehr als ein moderner Kühlschrank (s.o.). Jahresstromverbrauch: 350 kWh oder 52 € (bei 14,9 ct/kWh).

Neben den Geräten im Stand-By Betrieb gibt es auch eine Vielzahl weiterer Klein-Verbraucher, die sich nur durch Stecker-Ziehen abschalten lassen und gerne in der Steckdose vergessen werden: Ladegeräte für Handy, Akkus oder Notebooks, Netzteile für Anrufbeantworter, USB-Geräte (Festplatten, Hubs, etc.), WLAN- oder DSL-Router, DSL-Modem, etc.

Bei uns in der Wohnung wurden bereits alle relevanten Glühbirnen durch Energiesparlampen ausgetauscht, so dass diese nicht weiter ins Gewicht fallen. Dennoch hier eine kurze Beispielbetrachtung: Eine herkömmliche Glühbirne oder Halogenlampe hat eine Leistung von 80 W (bzw. 40 W). Die gleichwertige Energiesparversion benötigt nur rund 7 Watt, also nicht einmal ein Zehntel bei gleicher Lichtleistung. Brennt eine 80 W Birne pro Tag 3 Stunden (im Winter länger, im Sommer kürzer), so entsteht allein durch diese eine Birne ein Verbrauch von 88 kWh, also 13 € pro Jahr. Die vergleichbare Energiesparbirne benötigt im Jahr rund 8 kWh und damit 1,14 €. Die Mehrkosten einer Energiesparlampe hat man also nach rund einem Jahr bereits wieder eingespart - bei steigenden oder höheren Strompreisen auch schneller. Halogenlampen kommen zwar oft mit weniger Leistung aus (40 W), treten dafür aber in höherer Zahl auf. 4 Halogenbirnen á 40 Watt ergeben in der Summe 160 W.

Und wo wir gerade bei Licht sind: Der 300 Watt Deckenfluter ist natürlich der Stromkiller schlechthin. Selbst bei leicher Dimmung verbraucht er immer noch 200 Watt. Diese 200 Watt sind dabei zum größten Teil Wärme- und nicht Lichtleistung. Kosten pro Jahr bei durchschnittlicher Nutzung von 3 Stunden am Tag: 219-329 kWh pro Jahr, also 43-49 € pro Jahr.

Die Tabelle

 

Der Leerlauftest

Nach Betrachtung der Liste mit den erstellten Meßwerten konnten einige Stromfresser identifiziert werden, doch die Summe entsprach nicht den am Stromzähler gemessenen Wert von ca. 10 kWh pro Tag. Einige Verbraucher konnten in Ermangelung geeigneter Stromanschlüsse oder baulicher Hindernisse nicht gemessen werden, so z.B. der 5l-Warmwasserboiler, der Geschirrspüler, der E-Herd (Starkstromanschluß) und der Durchlauferhitzer im Bad sowie die Deckenbeleuchtung in den einzelnen Räumen.

Die Deckenbeleuchtung ist unkritisch, da bereits mit Energiesparbirnen ausgestattet, bzw. einfach abzulesen. Der Geschirrspüler ist neu und hinsichtlich seines Stromverbrauchs bereits optimal. Eine Messung muss jedoch noch einmal erfolgen um festzustellen, ob es sich hier auch um ein Stand-by Gerät handelt und b) wie der tatsächliche Stromverbrauch ist. Gleiches gilt für den Warmwasser-Boiler in der Küche, dessen Steckdose hinter dem Geschirrspüler kaum erreichbar versteckt ist.

Einen Indiz über den Stromverbrauch dieser Geräte konnten wir dann allerdings um Weihnachten herum gewinnen. Für einige Tage waren wir außer Haus, so dass ich nach Verlassen der Wohnung den Stand des Stromzählers notiert und nach Rückkehr den neuen Stand abgelesen habe. Da die Abwesenheit recht genau 5 Tage betragen hatte, ließ sich so der Grundverbrauch ermitteln, der sich in der Wohnung ergibt, wenn nur die nicht-abschaltbaren Geräte wie Kühlschrank, Boiler, etc. laufen.

Erwartet hatte ich einen Wert, der nahe bei dem Verbrauch des Kühlschranks liegt. Das Resultat war mit durchschnittlich 3,6 kWh pro Tag jedoch sehr ernüchternd.

Über die weiteren Maßnahmen berichte ich im nächsten Beitrag.

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